Die neue Freiheit

HBM Sonderheft 1/2018

Wat­son scheint all­wis­send. 2011 ge­wann IBMs Super­re­chen­ma­schi­ne in der ame­ri­ka­ni­schen Ra­tes­how „Jeo­pardy!“, heu­te as­sis­tiert das Sys­tem Ärz­ten bei der Be­hand­lung von Kre­b­spa­ti­en­ten, be­ant­wor­tet An­fra­gen im Kun­den­dienst von Un­ter­neh­men, op­ti­miert die Be­wäs­se­rung der Re­b­stö­cke auf dem Wein­gut von E. & J. Gal­lo und hilft den To­ron­to Rap­tors da­bei, die rich­ti­gen Kan­di­da­ten für den Ein­kauf neu­er Bas­ket­ball­spie­ler zu iden­ti­fi­zie­ren.
Gibt es et­was, was die mo­der­nen Com­pu­ter von IBM, Goo­gle, Ama­zon und Co. nicht kön­nen? Wird wirk­lich die Hälf­te al­ler Jobs ob­so­let, weil Com­pu­ter die­se Ar­beit viel bes­ser er­le­di­gen? Und was ver­schwin­det zu­erst? Ma­na­ge­ment, Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten, Hand­ar­beit?
Gin­ni Ro­met­ty, IBMs CEO, ist über­zeugt da­von, dass künf­tig mehr und mehr Tä­tig­kei­ten au­to­ma­ti­siert wer­den. Al­ler­dings – und das ist eine ent­schei­den­de Ein­schrän­kung – kaum kom­plet­te Ar­beitsplät­ze, son­dern eher Tei­lauf­ga­ben. Die­ser fei­ne Un­ter­schied ist wich­tig: für das Ver­ständ­nis der Fä­hig­kei­ten von künst­li­cher In­tel­li­genz (KI) und de­ren Aus­wir­kun­gen auf das Ar­beits­le­ben.
Wie ge­nau sich die Ta­len­te der Ma­schi­nen auf die Tä­tig­kei­ten in den Un­ter­neh­men aus­wir­ken wer­den, wird erst in An­sät­zen klar – und in wel­chem Aus­maß das ge­sche­hen wird, dar­über ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. In ei­nem Be­richt des McKin­sey Glo­bal In­sti­tu­te („A fu­ture that works“, Ja­nu­ar 2017) ver­glei­chen die For­scher meh­re­re Stu­di­en zu die­ser Fra­ge: Die Ci­ti­bank kam im Ja­nu­ar 2016 zu dem Schluss, dass in den OECD-Staa­ten durch­schnitt­lich 57 Pro­zent der Jobs an­fäl­lig für Au­to­ma­ti­sie­rung sind (in In­di­en 69 Pro­zent); die OECD pro­gno­s­ti­ziert, 9 Pro­zent al­ler Ar­beitsplät­ze in den 21 Mit­glied­staa­ten sei­en au­to­ma­ti­sier­bar. Das dif­fe­ren­zier­tes­te Bild zeich­nen die McKin­sey-For­scher in ei­ner ei­ge­nen Un­ter­su­chung: Voll­stän­dig weg­fal­len wür­den we­ni­ger als 5 Pro­zent der welt­wei­ten Tä­tig­kei­ten (be­zo­gen auf den heu­ti­gen Stand der Tech­nik). Da­ge­gen ist bei etwa 60 Pro­zent al­ler Jobs knapp ein Drit­tel der Auf­ga­ben au­to­ma­ti­sier­bar. Das be­trifft rund 1,2 Mil­li­ar­den Men­schen welt­weit.
Bis­her sieht es also eher so aus, als wür­de sich die Ar­beits­welt so wei­ter­ent­wi­ckeln wie seit der Ein­füh­rung des Pflugs: Neue Werk­zeu­ge er­leich­tern müh­sa­me Ar­bei­ten und ma­chen man­chen lang­wei­li­gen Job über­flüs­sig. Au­ßer­dem er­öff­nen sie neue Chan­cen, in­dem sie bis­her nicht mög­li­che neue Tä­tig­kei­ten schaf­fen. Was an Jobs üb­rig­bleibt, wird an­spruchs­vol­ler und kom­ple­xer, er­for­dert im­mer mehr Ur­teils­kraft und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­mö­gen. Na­tür­lich wer­den sich auch da­bei neue Rou­ti­nen her­aus­bil­den, die ir­gend­wann von noch leis­tungs­fä­hi­ge­ren Werk­zeu­gen über­nom­men wer­den, bis eine neue Schlei­fe in die­ser Auf­wärts­s­pi­ra­le be­ginnt. Der Men­sch passt sich in der Re­gel an: be­gin­nend bei den Kin­dern, die ganz selbst­ver­ständ­lich mit die­sen Tech­no­lo­gi­en um­ge­hen und neue An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten er­fin­den; und selbst das Hirn ent­wi­ckelt sich wei­ter: Der In­tel­li­genz­quo­ti­ent steigt je­des Jahr­zehnt um durch­schnitt­lich drei Punk­te, wie der Po­li­to­lo­ge Ja­mes Flynn 1987 her­aus­fand.
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