Gesucht: Chefs mit Profil

LEADERSHIP:

HBM September 2007

Wenn ich durch das Werk gehe und mir un­se­re Füh­rungs­kräf­te an­schaue, dann wird mir angst", so ei­ner der Be­trie­bs­rä­te in ei­ner süd­deut­schen BMW-Nie­der­las­sung, "das sind zwar adret­te und smar­te Leu­te, nett und freund­lich, aber nur auf Er­folg ge­trimmt. Ich habe das Ge­fühl, die meis­ten von ih­nen sind völ­lig aus­tausch­bar, alle ir­gend­wie gleich, ohne Ecken und Kan­ten."
Die The­se des Be­trie­bs­rats, Ma­na­ger hät­ten heu­te kein Pro­fil mehr, ist star­ker To­bak. Doch der Trend zum Ein­heits­ma­na­ger nimmt of­fen­bar zu. Zahl­rei­che Stu­di­en und In­ter­views, die ich im Rah­men mei­ner For­schungs­ar­beit über die Be­zie­hung von Füh­rungs­kräf­ten zu ih­ren ver­schie­de­nen Rol­len ge­führt habe, be­stä­ti­gen die Ent­wick­lung: In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ist eine ste­ti­ge An­glei­chung von Le­bens­läu­fen fest­zu­stel­len.
Für Un­ter­neh­men kann das fa­ta­le Fol­gen ha­ben: Sie be­schäf­ti­gen aus­ge­brann­te Ma­na­ger, die Angst vor Ent­schei­dun­gen ha­ben. Sie ver­lie­ren ihre Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­le im Wett­be­werb, weil Ent­schei­dungs­pro­zes­se zu uni­form und Ziel­de­fi­ni­tio­nen ih­rer Füh­rungs­kräf­te zu un­fle­xi­bel sind.
Die Scha­blo­ne, in die sich Füh­rungs­kräf­te pres­sen las­sen, wird schon bei der Aus­bil­dung an­ge­legt: Das Top­ma­na­ge­ment in großen und in mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men be­steht heu­te fast aus­schließ­lich aus Aka­de­mi­kern. Eine Stu­die un­ter 700 Mit­tel­ständ­lern in Deutsch­land zeig­te, dass 80,9 Pro­zent der west­deut­schen Ge­schäfts­füh­rer und 93,7 Pro­zent ih­rer ost­deut­schen Kol­le­gen stu­diert hat­ten. In der Schweiz ha­ben ins­ge­samt etwa 70 Pro­zent stu­diert, in Deutsch­land etwa 95 Pro­zent.
Am lie­bs­ten pro­mo­viert
Ähn­li­ches gilt für die Pro­mo­ti­on: Wäh­rend in Deutsch­land etwa 50 Pro­zent der Ma­na­ger einen Dok­tor­ti­tel tra­gen, sind es in der Schweiz nur etwa 25 Pro­zent. Eine an­de­re Un­ter­su­chung, die so­ge­nann­te "er­war­te­te

Mus­ter­bil­dungs­we­ge" von Top­ma­na­gern ver­gleicht, kam zu ähn­li­chen Er­geb­nis­sen: In den USA ha­ben 5,6 Pro­zent und in Frank­reich 4,1 Pro­zent pro­mo­viert - in Deutsch­land nicht we­ni­ger als 58,5 Pro­zent! Ein aka­de­mi­scher Ab­schluss ist da­mit zur Con­di­tio sine qua non ge­wor­den, um eine Spit­zen­po­si­ti­on in ei­nem deut­schen Un­ter­neh­men zu er­rei­chen. Dar­über hin­aus ge­hört ein Dok­tor­ti­tel zur er­wünsch­ten Aus­stat­tung. An­de­re Aus­bil­dungs­we­ge sind in­des schon fast zum Hin­der­nis ge­wor­den. Da­mit ver­grö­ßert sich die Kluft zwi­schen der Ma­na­ge­men­trie­ge und den Mit­ar­bei­tern. Die Fol­ge: Füh­rungs­kräf­te ha­ben zu­neh­mend Schwie­rig­kei­ten, ihre An­lie­gen zu kom­mu­ni­zie­ren, und wer­den von ih­ren Mit­ar­bei­tern nicht ak­zep­tiert.
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