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HBM 3/1983

Bio­tech­no­lo­gie: Die For­schung wan­dert
zu­neh­mend in die La­bors von Groß­fir­men

In ei­nem Rück­blick auf das Jahr 1982 und ei­nem Aus­blick schil­dert der In­for­ma­ti­ons­brief „Ge­ne­tic Tech­no­lo­gy News“ (Tech­ni­cal In­sights Inc., P.O. Box 1304, Fort Lee, NJ 07024, USA) die Schwie­rig­kei­ten der klei­ne­ren In­no­va­ti­ons­fir­men, Fi­nan­zie­rungs­mit­tel zu be­kom­men. Die Grün­der­wel­le ist ab­ge­flaut, da neue grund­sätz­li­che Auf­ga­ben­ge­bie­te sel­te­ner ge­fun­den wer­den, auf den be­kann­ten je­doch zeit­li­cher Vor­sprung vor­han­den ist. Die For­schungs­fir­men der ers­ten Wel­le kön­nen aber im­mer noch gut Be­tei­li­gun­gen ver­kau­fen. Im Markt sind be­son­ders Nah­rungs­mit­tel-, Dro­ge­rie­wa­ren- und Che­mie­fir­men. Die Ten­denz in den Groß­fir­men des Phar­ma- und Che­mie­be­rei­ches geht da­hin, die ei­ge­nen La­bors aus­zu­bau­en. Das Jahr 1982 brach­te ers­te gen­tech­no­lo­gisch ge­won­ne­ne Pro­duk­te auf den Markt, so einen Tie­rimpf­stoff der Fir­ma AKZO (Arn­heim, Hol­land). In Eng­land und den USA er­hielt ein Hu­man­me­di­ka­ment der Fir­ma Eli Lil­ly, In­su­lin, die Zu­las­sung. Ein mensch­li­ches Wachs­tums­hor­mon steht in den USA kurz vor der Ein­füh­rung. Eine Wel­le von ver­schie­de­nen In­ter­fe­ron­ty­pen ist von meh­re­ren Fir­men ab­seh­bar. „Clo­ning“, die nicht­ge­schlecht­li­che Ver­meh­rung durch das Über­tra­gen von gan­zen Zel­len von Pflan­zen be­zie­hungs­wei­se Le­be­we­sen auf an­de­re, ist ein brei­tes Ar­beits­feld ge­wor­den. Ein Schwer­punkt - weil schnel­ler markt­fä­hi­ge Re­sul­ta­te zu er­rei­chen sind - ist die Tier­phar­ma­zeu­tik. Er­fol­ge gab es un­ter an­de­rem bei Rin­der­in­ter­fe­ron und Wachs­tums­hor­mo­nen. Ge­ne­rell wird „Clo­ning“ sehr breit bei der Her­stel­lung vie­ler Ei­weiß­stof­fe ein­ge­setzt, um spä­ter zum Bei­spiel Ren­nin auf die­sem Wege zu ge­win­nen. Bei den zahl­rei­chen Ex­pe­ri­men­ten auf dem Pflan­zen­sek­tor geht es dar­um, Pflan­zen un­emp­find­li­cher ge­gen Schäd­lin­ge, Schäd­lings­be­kämp­fungs­mit­tel und Kli­maein­wir­kun­gen zu ma­chen und die Pro­dukt­qua­li­tät zu er­hö­hen. Hier sind bald Er­geb­nis­se zu er­war­ten. (In der Bun­des­re­pu­blik ar­bei­tet un­ter an­de­rem das Max-Planck-In­sti­tut in Köln auf die­sem Ge­biet.) Et­was län­ger wird es noch dau­ern, die Pho­to­syn­the­se der Pflan­zen zu ver­bes­sern und ihre Fä­hig­keit, selbst Stick­stoff zu Ei­gen­dün­gung zu bil­den. Schnel­ler als ge­dacht kom­men die Er­fol­ge im Be­reich der Wachs­tums­hor­mo­ne für Tie­re. Ein von Monsan­to ent­wi­ckel­tes Ver­fah­ren wur­de von der Cor­nell Uni­ver­si­ty mit Er­folg an Milch­kü­hen ge­tes­tet, das heißt, die Milch­pro­duk­ti­on konn­te ge­stei­gert wer­den. Die in der Pres­se breit be­rich­te­te Über­tra­gung der Wachs­tums­hor­mo­ne von Rat­ten auf Mäu­se, die dann dop­pelt so groß wur­den, wird in der Zeit­schrift „Na­ture“ vom 16. 12. 1982 (Mac­mil­lan Jour­nals Ltd., 4 Litt­le Es­sex Street, Lon­don, WC2R 3LF, UK) de­tail­liert be­schrie­ben. Die Fort­schrit­te bei der auf Gen­tech­no­lo­gie ba­sie­ren­den Er­zeu­gung bil­li­ger, in­dus­tri­ell nutz­ba­rer Bio­che­mi­ka­li­en ha­ben au­gen­blick­lich einen we­sent­lich Eng­paß: Ob­wohl Fort­schrit­te in der Ent­wick­lung bes­ser ge­eig­ne­ter Mi­kro­or­ga­nis­men ge­macht wer­den, ist die Ver­fah­rens­tech­no­lo­gie noch im­mer der Gä­rungs­pro­zeß, selbst wenn er von der Bot­ti­chin die Fließ­fer­men­ta­ti­on über­ge­gan­gen ist. Hier wer­den Er­geb­nis­se aus der Ver­wen­dung von stark wäß­ri­gen Lö­sun­gen und schnel­le­rem Her­aus­fil­tern er­war­tet, also aus rei­nen Ver­fah­rens­fort­schrit­ten. Die Re­gie­run­gen al­ler In­dus­tri­e­län­der för­dern die bio­tech­no­lo­gi­sche For­schung, denn es geht sch­licht­weg dar­um, daß volks­wirt­schaft­lich be­deu­ten­de Bran­chen grund­sätz­lich ver­än­dert wer­den. Die Ja­pa­ner ma­chen es wie­der am ef­fek­tivs­ten: Sie för­dern - mit der len­ken­den Hand des Mi­nis­te­ri­ums für in­ter­na­tio­na­len Han­del und In­dus­trie (MITI) - eine in­dus­tri­el­le For­schungs­ver­ei­ni­gung, der rund 100 Fir­men an­ge­hö­ren wer­den. Haupt­zie­le: Ver­hin­de­rung der Über­schnei­dung von For­schungs­vor­ha­ben, Ver­mei­dung der Dop­pel­li­zenz­nah­me für aus­län­di­sche Ver­fah­ren, Aus­tausch von For­schungs­er­geb­nis­sen und Aus­bil­dung von Bio­tech­no­lo­gen. Eine re­la­tiv kom­pak­te, zu­kunfts­ori­en­tier­te Dar­stel­lung des Stands der Bio­tech­no­lo­gie ist kürz­lich von der OECD ver­öf­fent­licht wor­den: „Bio­tech­no­lo­gy, In­ter­na­tio­nal Trends and Per­spec­ti­ves“. In der Bun­des­re­pu­blik er­hält­lich vom OECD-Pu­bli­ca­ti­ons and In­for­ma­ti­on Cen­tre, Sim­rockstr. 4, 53 Bonn. Preis: 27 DM. (GE­NE­TIC TECH­NO­LO­GY NEWS, Ja­nu­ar 1983; THE JA­PAN ECO­NO­MIC JOUR­NAL, 25.1.83) trend­let­ter 7/83
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