Die Fir­men­ge­schich­teals Aktivposten

ZUR ZUKUNFTSPLANUNG EINES UNTERNEHMENS GEHÖRT AUCH DER HISTORISCHE RÜCKBLICK:

HBM 3/1983


GE­OR­GE DA­VID SMITH ist Con­sul­tant beim Cam­bridge Re­se­arch In­sti­tu­te, ei­ner Un­ter­neh­mens­be­ra­tung in Cambridge/Massachusetts. Be­vor er dort ein­trat, lehr­te er in Har­vard Ge­schich­te. LAU­RENCE E. STEAD­MAN ist Pre­si­dent von Steadman/Coles, ei­ner Un­ter­neh­mens­be­ra­tung in Bo­ston. Da­vor lehr­te er In­ter­na­tio­na­les Ma­na­ge­ment und war als Mar­ke­tinglei­ter tä­tig.

Viel stär­ker als auf hoch­ent­wi­ckel­te Pla­nungs­sys­te­me und Leit­li­ni­en ver­trau­en Ma­na­ger bei ih­ren Ent­schei­dun­gen auf das von ih­nen an­ge­sam­mel­te Wis­sen dar­über, wie Din­ge funk­tio­nie­ren - auf ihre Er­fah­rung also. Aus ih­rem ei­ge­nen Ver­ständ­nis der Ver­gan­gen­heit ent­wi­ckeln sie ge­ra­de­zu zwangs­läu­fig Vi­sio­nen der Zu­kunft. Aber häu­fig ha­ben Füh­rungs­kräf­te auf die Ge­schich­te der Or­ga­ni­sa­ti­on Rück­sicht zu neh­men, in der ihre ei­ge­nen Er­fah­run­gen be­grenzt sind. So ist eine sys­te­ma­ti­sche und grund­le­gen­de An­nä­he­rung an die Ver­gan­gen­heit im­mer dann von großem Nut­zen, wenn sie dazu führt, daß Ma­na­ger mehr Sinn für die Ver­gan­gen­heit des Un­ter­neh­mens ent­wi­ckeln, als ih­nen ihr ei­ge­nes Ge­dächt­nis bie­ten kann. Die Fir­men­ge­schich­te ist ein wich­ti­ges, wenn auch im all­ge­mei­nen un­ge­nutz­tes un­ter­neh­me­ri­sches Hilfs­mit­tel. Sie hat großen Wert, der weit über die fei­er­li­che Funk­ti­on der kon­ven­tio­nel­len „Fir­men­ge­schich­te“ in Wer­be­bro­schü­ren oder Ju­bi­lä­ums­schrif­ten hin­aus reicht. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men - wie Ci­ti­corp, AT&T und Con­so­li­da­ted Edi­son - ha­ben vor kur­z­em his­to­ri­sche For­schungs­ar­bei­ten über Stra­te­gie, Struk­tur und den Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zeß in Auf­trag ge­ge­ben, die den Ma­na­gern die­ser Un­ter­neh­men neue Er­kennt­nis­se lie­fern sol­len. Für die meis­ten liegt das Pro­blem der Fir­men­ge­schich­te dar­in, daß - um eine Re­de­wen­dung von Hen­ry Ford zu ver­wen­den - zu­viel da­von mehr oder we­ni­ger schäd­lich ist. Die meis­ten Fir­men­ge­schich­ten prä­sen­tie­ren sich als fei­er­li­che Selbst­be­frie­di­gung oder als ge­fühls­se­li­ge Fest­schrift - zwei Sei­ten der glei­chen ab­ge­nütz­ten Me­dail­le. Die meis­ten der von uns in­ter­view­ten Ma­na­ger be­trach­ten die Fir­men­ge­schich­ten, die ihre Un­ter­neh­men schrei­ben lie­ßen, zwar als ganz amüsant, aber als nicht sehr nütz­lich. Sie sei­en voll von zwei­fel­haf­ten An­ek­do­ten, be­la­den mit nichts­sa­gen­den All­ge­mein­plät­zen und De­tails oder auch zu sehr auf ir­gend­ein ein­zel­nes be­deu­ten­des Er­eig­nis ab­ge­stellt. H. Peers Bre­wer, Vice-Pre­si­dent für Un­ter­neh­mens­pla­nung der Ma­nu­fac­tur­ers Ha­no­ver Bank und eif­ri­ger Le­ser von Ge­schichts­bü­chern, be­kun­det, die meis­ten in­tern ent­wi­ckel­ten Fir­men­ge­schich­ten sei­en „zu seicht, zu dürf­tig im the­ma­ti­schen Ge­halt und zu schwach im Ab­strak­ti­ons­grad“, um nütz­lich für Ma­na­ger oder ver­läß­lich für His­to­ri­ker zu sein. Die meis­ten Fir­men­ge­schich­ten be­fas­sen sich viel mehr mit den Er­folgs­er­leb­nis­sen in der Ver­gan­gen­heit ei­nes Un­ter­neh­mens als mit sei­nem We­sen. Sie soll­ten sich aber auf die dy­na­mi­sche An­samm­lung ver­gan­ge­ner Er­eig­nis­se und Ent­schei­dun­gen kon­zen­trie­ren, die blei­ben­de Be­deu­tung für Ge­gen­wart und Zu­kunft ha­ben. Als Teil zehn­jäh­ri­ger Pla­nungs­be­mü­hun­gen faß­te zum Bei­spiel Ci­ti­corp sei­nen Un­ter­neh­men­s­cha­rak­ter und Lang­zei­ter­folg nicht als fest­ste­hen­de Ge­ge­ben­heit auf, son­dern als his­to­ri­schen Pro­zeß. Das Un­ter­neh­men er­kann­te ge­nau, daß die Ge­gen­wart ein Mo­ment in der Ent­wick­lung von der Ver­gan­gen­heit in die Zu­kunft ist. Fir­men­ge­schich­te kann so zur Denk­wei­se ei­nes Un­ter­neh­mens wer­den, ein Weg des Ver­ständ­nis­ses, wa­rum die Ge­gen­wart das ist, was sie ist, und was in der Zu­kunft mög­lich sein könn­te. In ge­schicht­li­chen Di­men­sio­nen über ein Un­ter­neh­men zu den­ken, mün­det nicht zwangs­läu­fig in die Aus­ar­bei­tung wis­sen­schaft­li­cher Wer­ke wie bei Ci­ti­corp oder AT&T. Wir un­ter­such­ten ver­schie­de­ne Un­ter­neh­men, um fest­zu­stel­len, wel­che Ar­ten his­to­ri­scher For­schung die nütz­lichs­ten und le­gi­tims­ten für die Zie­le ei­nes Un­ter­neh­mens sind. Ob­wohl wir vor­nehm­lich große Un­ter­neh­men un­ter­sucht ha­ben, paßt vie­les, was wir dis­ku­tie­ren, eben­so für klei­ne­re Un­ter­neh­men mit be­grenz­ten Hilfs­mit­teln. So­bald Ma­na­ger den Wert der Fir­men­ver­gan­gen­heit er­kannt ha­ben, stei­gern sie ihre Fä­hig­keit, Pro­ble­me zu dia­gno­s­ti­zie­ren, die Un­ter­neh­mens­po­li­tik neu zu be­wer­ten, Leis­tun­gen zu mes­sen und so­gar den Wan­del zu steu­ern.
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