Internet-Banking verdirbt Filialbanken das Geschäft

HBM 3/2001

Was wird aus den Fi­li­al­ban­ken? Mit der stür­mi­schen Ent­wick­lung der In­for­ma­ti­ons­tech­nik wächst das In­ter­net-Ban­king sprung­haft an und er­schüt­tert in­zwi­schen die Fun­da­men­te des Fi­li­al­bank­sys­tems. Bank­ge­schäf­te via In­ter­net zu tä­ti­gen ist be­que­mer und bil­li­ger als je­der Gang zur Bank­zweig­stel­le; das neue Me­di­um war­tet zu­dem mit weit mehr In­for­ma­tio­nen auf und macht Bank­kun­den bei der Aus­wahl ge­eig­ne­ter Bank­pro­duk­te und An­bie­ter fle­xibler. Wie wer­den die Ban­ken in dem neu­en Wett­be­wer­b­sum­feld ihre Ge­schäfts­mo­del­le än­dern? Wel­che Rol­le wer­den künf­tig Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Ban­ken und Nicht-Ban­ken so­wie die Kon­kur­ren­ten aus dem Aus­land und aus dem Nicht-Ban­ken­be­reich spie­len? Auf wel­che Res­sour­cen und Fä­hig­kei­ten kommt es an? Ant­wor­ten lie­fern die Er­geb­nis­se ei­ner Um­fra­ge un­ter deut­schen Ban­kiers. Zum Vor­schein ka­men Wahr­neh­mungs­lücken bei den Ex­per­ten, aber auch Leit­li­ni­en für Ge­schäftss­tra­te­gi­en, mit de­nen sich die Her­aus­for­de­run­gen der mo­der­nen In­for­ma­ti­ons­tech­ni­ken meis­tern las­sen.
Das Fi­li­al­bank­ge­schäft be­fin­det sich in Auf­lö­sung. Das klas­si­sche Ge­schäfts­mo­dell der Ge­schäfts­ban­ken stützt sich auf eine in­te­grier­te Wert­ket­te, durch die viel­fäl­ti­ge Bank­pro­duk­te ge­schaf­fen und über bank­ei­ge­ne Zweig­stel­len ab­ge­setzt wer­den. Die­ses Mo­dell ge­rät nun durch die Ver­brei­tung mo­der­ner In­for­ma­ti­ons­tech­ni­ken ins Wan­ken. Füh­ren­de Ban­kiers wie bei­spiels­wei­se Wal­ter Shi­pley (Cha­se Man­hat­tan Bank) oder Rolf Breu­er (Deut­sche Bank) se­hen den Schwer­punkt des künf­ti­gen Pri­vat­kun­den­ge­schäfts da­her im In­ter­net-Ban­king und nicht län­ger mehr beim Fi­li­al­bank­sys­tem.
Bis­her galt für das Fi­li­al­bank­ge­schäft der Grund­satz „All busi­ness is lo­cal“. Soll­te eine Fi­li­al­bank ren­ta­bel ar­bei­ten, muss­te sie ihre Zweig­stel­len in phy­si­scher Nähe zum Ar­beits­platz oder Wohn­sitz po­ten­zi­el­ler Kun­den plat­zie­ren. Aus Sicht mo­der­ner In­for­ma­ti­ons­tech­ni­ken er­scheint die­se Re­gel als über­holt.
Dank ein­heit­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stan­dards und ei­ner ho­hen In­for­ma­ti­ons­reich­wei­te ist es mitt­ler­wei­le mög­lich, de­tail­lier­te In­for­ma­tio­nen schnell und kos­ten­güns­tig zu über­mit­teln und aus­zut­au­schen. Mit Hil­fe des In­ter­nets kön­nen Bank­kun­den heu­te die Kon­di­tio­nen bei al­ter­na­ti­ven Bank­pro­duk­ten ver­glei­chen und ihre Ge­schäfts­ver­bin­dun­gen auf den/die je­weils güns­tigs­ten An­bie­ter kon­zen­trie­ren. Es ist so­gar vor­stell­bar, dass Bank­kun­den künf­tig bei die­sem Stand der In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung zu­neh­mend durch spe­zia­li­sier­te Hel­fer, so ge­nann­te In­ter­net-Na­vi­ga­to­ren, un­ter­stützt wer­den.
Durch die Ver­brei­tung des In­ter­net-Ban­king wird die ge­wohn­te, in­te­grier­te Wert­ket­te des Fi­li­al­bank­ge­schäfts de­kon­stru­iert, das heißt in ein­zel­ne Wert­stu­fen auf­ge­löst (sie­he Evans/Wurster 1998). Je leich­ter Bank­kun­den über das Netz güns­ti­ge Kon­di­tio­nen er­ken­nen und zwi­schen Ban­ken hin- und her­wech­seln kön­nen, de­sto eher wer­den sie wohl das In­ter­es­se an den um­fas­sen­den Dienst­leis­tun­gen ei­ner klas­si­schen Bank­zweig­stel­le ver­lie­ren. Wahr­schein­lich kommt es so weit, dass Kun­den Dar­le­hen, Kre­dit­kar­ten, Wert­pa­pier­trans­ak­tio­nen und sons­ti­ge Ban­k­leis­tun­gen von den je­weils kos­ten­güns­tigs­ten In­ter­net-Ban­ken be­zie­hen.

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