Zu gut zum Feuern?

FALLSTUDIE:

HBM März 2020

Pro­gram­mie­rer Sa­mu­el Nord­mann ging am Sonn­tag­abend in sein Büro und muss­te zwei­mal hin­schau­en, als er sei­ne Chefin am Schreib­tisch sit­zen sah. „Hal­lo“, rief er er­staunt, als er an ih­rer Tür vor­bei­kam, „schie­bst du eine Nacht­schicht?“
Eben­so über­rascht, nicht al­lein zu sein, dreh­te Me­la­nie Klein sich um und woll­te ant­wor­ten. Aber Nord­mann war of­fen­bar nicht auf eine Plau­de­rei aus und be­reits ver­schwun­den. Des­halb schnapp­te sie sich ih­ren Kaf­fee­be­cher und folg­te ihm zu sei­nem Ar­beits­platz. „Was treibst du so spät noch hier?“, frag­te Klein, Lei­te­rin der Soft­wa­re­ent­wick­lung bei Lenz Gra­fic So­lu­ti­ons. „Ver­suchst du ein biss­chen Ruhe zu fin­den, weit weg vom Nach­wuchs?“
„Du weißt ja, wie das ist“, er­wi­der­te Nord­mann, die Au­gen auf den Com­pu­ter­bild­schirm ge­hef­tet, wäh­rend das Sys­tem hoch­fuhr, „dem­nächst ist Dead­li­ne.“
Klein be­merk­te Nord­manns un­ra­sier­tes Ge­sicht und sei­ne ver­knautsch­te Kleidung.Offensichtlich hat­te er das gan­ze Wo­chen­en­de durch­ge­macht und nur in Etap­pen ge­schla­fen. Sie konn­te sich sei­ne 1,95 Me­ter auf ei­ner viel zu klei­nen Wohn­zim­mer­couch leb­haft vor­stel­len, die eine Hand auf dem Bo­den lie­gend, er­schöpft, schnar­chend und im­mer wie­der auf­ge­schreckt von dem schrei­en­den Baby. Sie er­in­ner­te sich gut an die nächt­li­chen Ko­li­ken ih­rer Toch­ter und vor al­lem an die­ses Ge­fühl, nie wie­der durch­schla­fen zu kön­nen.
„Ich be­wun­de­re dein En­ga­ge­ment, Sam“, sag­te Klein, „aber es ge­fällt mir nicht, dass die­ses Pro­jekt dir den Schlaf raubt. Ich dach­te, wir wä­ren uns Frei­tag alle ei­nig ge­we­sen: Wir lie­gen gut im Plan, und am Wo­chen­en­de braucht nie­mand zu kom­men.“ Nord­mann rea­gier­te nicht.
„Ich bin nur hier“, fuhr sie fort, „um all den Pa­pier­kram auf­zu­ar­bei­ten, den ich ver­nach­läs­sigt habe.“ Sie seufz­te. „Mein Mann ist mit den Kin­dern ins Kino ge­fah­ren. Ar­bei­test du an ir­gen­det­was, bei dem ich hel­fen könn­te?“
„Nichts Be­son­de­res. Du kannst ru­hig nach Hau­se ge­hen.“ Er schau­te kurz hoch, dann wie­der nach un­ten – ein biss­chen ver­le­gen, fand Klein.
Sie er­wog kurz, ih­rem An­ge­bot noch mehr Nach­druck zu ver­lei­hen, ent­schied sich aber da­ge­gen. Viel­leicht war es bes­ser, Nord­mann in Ruhe zu las­sen.
„Okay, ich glau­be, ich hebe mir ein biss­chen von die­sem Zeug für mor­gen auf.“
Sie wand­te sich zum Ge­hen, kehr­te je­doch noch ein­mal um und rief ihm durch die of­fe­ne Tür zu: „Ich weiß das wirk­lich zu schät­zen. Wenn die­ses Pro­gramm erst mal fer­tig ist, wer­de ich dir und den an­de­ren Wor­ka­ho­lics ein paar Tage Son­der­ur­laub ver­schaf­fen, okay?“
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