Wachsen wir zu schnell?

FALLSTUDIE:

HBM Dezember 2019

Ricar­do Ruiz fand ein­fach nicht in den Schlaf. Es war be­reits sei­ne drit­te Rei­se nach Sin­ga­pur. Beim ers­ten Mal war er her­ge­kom­men, um nach mög­li­chen Stand­orten für den ers­ten Au­ßen­pos­ten sei­ner Ket­te von Klet­ter­hal­len na­mens Ascen­dan­cy auf dem asia­ti­schen Kon­ti­nent zu su­chen. Zur großen Er­öff­nung vor ei­nem Jahr war er zu­rück­ge­kehrt, und nun war er hier, um nach dem Rech­ten zu se­hen. Doch der 23-stün­di­ge Flug von Ra­leigh, North Ca­ro­li­na, über San Fran­cis­co nach Sin­ga­pur war lei­der nicht an­ge­neh­mer ge­we­sen als beim letz­ten Mal, und der Fir­men­grün­der und CEO litt im­mer noch un­ter ei­nem schwe­ren Jet­lag.
Er hat­te ge­ra­de auf­ge­ge­ben, doch noch schla­fen zu kön­nen, und sich wie­der an­ge­zo­gen, als sein Te­le­fon klin­gel­te. Es war Mar­go Litt­le, COO von Ascen­dan­cy.
„Du weißt doch, dass ich in Sin­ga­pur bin. Hier ist es mit­ten in der Nacht“, neck­te Ruiz sie, schein­bar em­pört. Die bei­den wa­ren nicht nur Kol­le­gen, son­dern auch alte Freun­de und Klet­ter­part­ner.
„Ich hät­te nicht an­ge­ru­fen, wenn es nicht wirk­lich ernst wäre.“ Ruiz war plötz­lich hell­wach. „Was ist los?“, frag­te er mit klop­fen­dem Her­zen. War sei­ner Fa­mi­lie et­was zu­ge­sto­ßen? Gab es eine Kri­se im Un­ter­neh­men?
„Es geht um Ascen­dan­cy Li­ver­pool“, er­klär­te Litt­le. Da­mit mein­te sie den zwei­ten bri­ti­schen Stand­ort des Un­ter­neh­mens, der erst drei Mo­na­te zu­vor er­öff­net wor­den war. „Ein un­er­fah­re­ner Klet­te­rer hat sich nicht rich­tig ge­si­chert, ist aus 4,5 Me­tern Höhe ab­ge­stürzt, hat sich am Rücken ver­letzt und ver­klagt uns jetzt auf vier Mil­lio­nen Pfund.“
„Hat er den Haf­tungs­aus­schluss nicht un­ter­schrie­ben?“
„Doch, na­tür­lich. Un­se­re An­wäl­te sa­gen, die Kla­ge ist ab­so­lut lä­cher­lich und wird si­cher ab­ge­lehnt. Aber die Pres­se hat sich dar­auf ge­stürzt. Er be­haup­tet, wir hät­ten ihn nicht aus­rei­chend über die Ge­fah­ren auf­ge­klärt und ihn nicht rich­tig ein­ge­wie­sen.“
„Der Ab­lauf ist doch aber in al­len Hal­len gleich.“ Zehn Jah­re nach der Grün­dung be­trieb Ascen­dan­cy 35 sehr er­folg­rei­che Klet­ter­hal­len in den USA so­wie an drei in­ter­na­tio­na­len Stand­orten. „Und wir hat­ten bis­her noch nie Pro­ble­me.“
„Ich weiß. Das be­to­nen wir im­mer wie­der ge­gen­über Re­por­tern und in den so­zia­len Me­di­en. Ich rufe an, um dich zu bit­ten, eine Stel­lung­nah­me her­aus­zu­ge­ben. Ich habe wirk­lich Angst, dass Li­ver­pool einen her­ben Schlag ein­ste­cken muss. Car­diff viel­leicht auch. Wenn man be­denkt, wie lang­sam das Ge­schäft in die­sen Hal­len an­ge­lau­fen ist, kön­nen wir uns eine PR-Kri­se ein­fach nicht leis­ten.“ Nach kur­z­em Zö­gern füg­te sie hin­zu: „Ehr­lich, Ric, ich fra­ge mich lang­sam, ob wir zu schnell auf den bri­ti­schen Markt vor­ge­drun­gen sind.“
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