„Es gibt keine einfache Therapie“

HBM Dezember 2019

Herr Pro­fes­sor Fehr, wel­che Wahr­neh­mungs­ver­zer­rung von Ma­na­gern be­rei­tet Un­ter­neh­men die größ­ten Schwie­rig­kei­ten?
FEHR Am pro­ble­ma­tischs­ten ist wahr­schein­lich die Sunk Cost Fal­la­cy – die Nei­gung, an ei­nem ein­mal be­gon­ne­nen Pro­jekt fest­zu­hal­ten. Wir se­hen im­mer wie­der, dass Ma­na­ger auch dann nicht die Reiß­lei­ne zie­hen, wenn vie­le In­di­ka­to­ren dar­auf hin­wei­sen, dass ein Pro­jekt schei­tern wird. Sie wer­fen qua­si gu­tem Geld schlech­tes hin­ter­her. Bei Ma­na­gern ist das eine ex­trem macht­vol­le Ver­zer­rung, vor al­lem wenn ihre Re­pu­ta­ti­on an ei­nem Pro­jekt hängt. Die Sunk Cost Fal­la­cy spielt bei Ent­schei­dun­gen über In­ves­ti­tio­nen und die Stra­te­gie eine ganz große Rol­le. Meist wird das durch Ver­lu­sta­ver­si­on ver­stärkt ...

... also die Ten­denz, dass Men­schen Ver­lus­te hö­her ge­wich­ten als Ge­win­ne. Aber ist nicht ge­nau das eine wich­ti­ge Auf­ga­be von Ma­na­gern – Chan­cen und Ri­si­ken ab­zu­wä­gen und eine ra­tio­na­le Ent­schei­dung zu tref­fen?
FEHR Ma­na­ger sind Men­schen und da­mit per se nicht im­mer ra­tio­nal. Dazu kommt, dass sie sich häu­fi­ger als an­de­re selbst über­schät­zen. Sie lei­den also un­ter ei­ner Ver­zer­rung, die auf Eng­lisch „Over­con­fi­dence“ heißt. Bei Ma­na­gern han­delt es sich ja nicht um eine zu­fäl­lig zu­sam­men­ge­wür­fel­te Grup­pe, son­dern um Men­schen, die vie­les ge­mein­sam ha­ben. Die­se Per­so­nen zeich­nen sich da­durch aus, dass sie sehr von sich über­zeugt sind. Das ist ein Grund für ih­ren Er­folg: Je selbst­be­wus­s­ter je­mand eine Sa­che ver­tritt, de­sto eher fol­gen ei­nem die Leu­te. Ma­na­ger müs­sen häu­fig an­de­re über­zeu­gen – Vor­ge­setz­te, Auf­sichts­gre­mi­en und so wei­ter. Doch so kommt es auch zu ei­ner Se­lek­ti­on von Men­schen, die eher dazu nei­gen, sich zu über­schät­zen. Dar­aus re­sul­tie­ren auch häu­fig falsche Ent­schei­dun­gen.

Ma­na­ger schei­nen ja eine ganz schön ver­zerr­te Welt­sicht zu ha­ben. Wenn Un­ter­neh­men Ihre Be­ra­tungs­ge­sell­schaft zu Hil­fe ru­fen, wel­che Wahr­neh­mungs­ver­zer­rung sol­len Sie am häu­figs­ten be­he­ben?
FEHR Un­se­re Kun­den kom­men zu uns, weil sie ein Pro­blem ha­ben, das wir lö­sen sol­len – nicht weil sie eine Wahr­neh­mungs­ver­zer­rung er­ken­nen. Nicht sel­ten ist das aber Ur­sa­che des Pro­blems. Das zeigt sich dann an an­de­ren The­men. Wenn wir etwa se­hen, dass das Un­ter­neh­men vie­le Pro­jek­te be­gon­nen hat, die er­folg­los da­hin­plät­schern, ist das ein An­zei­chen für die Sunk Cost Fal­la­cy. Wir dia­gno­s­ti­zie­ren das mit­hil­fe un­se­res ver­hal­tens­öko­no­mi­schen Werk­zeug­kas­tens.

Mit Ernst Fehr sprach HBM-Re­dak­teur Ing­mar Höh­mann.
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