„Zeit ist der kritische Faktor“

HBM Oktober 2019

Herr Pink­wart, in ei­ner frü­he­ren Lan­des­re­gie­rung wa­ren Sie Wis­sen­schafts­mi­nis­ter, jetzt sind Sie zu­stän­dig für die Wirt­schaft. Aber egal, wo Sie am Düs­sel­dor­fer Ka­bi­nett­s­tisch Platz neh­men: Das The­ma In­no­va­ti­on ho­len Sie im­mer in Ihr Res­sort. Wo­her rührt das In­ter­es­se?
PINK­WART Ich könn­te mit ei­nem Kom­pli­ment pas­send zu Ih­rem 40. Ju­bi­lä­um ant­wor­ten, wo­nach mir schon in den 80er Jah­ren ein Bei­trag in Ih­rem Heft das The­ma In­no­va­ti­ons­ma­na­ge­ment na­he­ge­bracht hat. Aber es war für mich schon im­mer span­nend zu un­ter­su­chen, wie wir auf neue Ide­en kom­men. Noch mehr fas­zi­niert hat mich die Fra­ge: Wie set­zen wir sie um? Wir re­den ja erst dann von er­folg­rei­cher In­no­va­ti­on, wenn sich Er­fin­dun­gen auch auf dem Markt aus­brei­ten. In mei­ner Di­plom­ar­beit an der Uni­ver­si­tät Bonn habe ich mich da­mit be­schäf­tigt, wel­che Rol­le Ri­si­ko­ka­pi­tal da­bei spielt. Spä­ter habe ich mich mit Cha­os­for­schung be­fasst, ge­nau­er: mit dis­kon­ti­nu­ier­li­chen Ent­wick­lungs­pro­zes­sen im In­no­va­ti­ons­be­reich von Un­ter­neh­men. Wir spre­chen heu­te gern von Dis­rup­ti­on, frü­her nann­te es Schum­pe­ter schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rung. Da­von se­hen wir heu­te mehr und mehr, auch weil sich die In­no­va­ti­ons­zy­klen in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stark ver­kürzt ha­ben. Mar­kan­tes­tes Bei­spiel dürf­te Ko­dak sein: Markt­füh­rer über Jahr­zehn­te, dann im Null­kom­ma­nichts ganz vom Markt ver­schwun­den. Mit der Di­gi­tal­ka­me­ra hielt eine neue Tech­no­lo­gie Ein­zug, die auch das Ge­schäfts­mo­dell des Un­ter­neh­mens in kür­zes­ter Zeit ob­so­let mach­te.

Las­sen sich Dis­rup­tio­nen vor­her­sa­gen?
PINK­WART Eine span­nen­de Fra­ge, auf die ich noch kei­ne ver­läss­li­che Ant­wort sehe. Der Wirt­schaft muss aber klar sein, dass sie häu­fi­ger auf­tre­ten als frü­her. Nicht sel­ten wird ihre Wucht auch durch Re­gu­lie­rung be­grenzt. Den­ken Sie etwa an Uber und neue For­men der Mo­bi­li­tät, die mit dem au­to­no­men Fah­ren auf uns zu­kom­men.

Wel­che In­no­va­ti­on hat Sie am meis­ten be­ein­druckt?
PINK­WART Das war der Ro­bo­ter Asi­mo des ja­pa­ni­schen Tech­no­lo­gie­kon­zerns Hon­da. 2007 habe ich als Wis­sen­schafts­mi­nis­ter ein For­schungs­in­sti­tut für hu­ma­noi­de Ro­bo­tik an der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld mit er­öff­net. Ein bri­ti­scher Phi­lo­soph hielt einen Vor­trag. Er ver­wen­de­te ein Bild, das mich un­glaub­lich be­ein­druck­te: „Es ist ein Mo­ment wie sei­ner­zeit, als die Af­fen von den Bäu­men ka­men.“ Ich habe mich spä­ter, als ich wie­der in die Wis­sen­schaft zu­rück­ge­kehrt war, in mei­nen Vor­le­sun­gen im­mer wie­der auf die­ses Bei­spiel be­ru­fen und die Fra­ge auf­ge­wor­fen, was dies für uns Men­schen be­deu­tet.

Mit An­dre­as Pink­wart spra­chen die HBM-Re­dak­teu­re Ing­mar Höh­mann und Mi­cha­el O. R. Krö­her.
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