Schumpeter ist aktueller denn je

HBM Oktober 2019

Schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rung. Ich hör­te den Be­griff zum ers­ten Mal, als ich mein Stu­di­um der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Witten/Herdecke im Jahr 1995 be­gann. Was sich zu­nächst wi­der­sprüch­lich an­hör­te, of­fen­bar­te sich bei nä­he­rer Be­trach­tung als eine höchst re­le­van­te Er­kennt­nis. Der Pro­zess der schöp­fe­ri­schen Zer­stö­rung, so schrieb der ös­ter­rei­chi­sche Öko­nom Jo­seph Schum­pe­ter, sei „das für den Ka­pi­ta­lis­mus we­sent­li­che Fak­tum“: Un­ter­neh­men set­zen In­no­va­tio­nen am Markt durch, tre­ten da­mit in Kon­kur­renz zu An­bie­tern be­ste­hen­der Gü­ter und Dienst­leis­tun­gen und ver­drän­gen die­se schließ­lich. Die­ser Pro­zess er­folgt nicht re­gel­mä­ßig, son­dern „in un­s­te­ten Stö­ßen, die von­ein­an­der durch Span­nen ver­hält­nis­mä­ßi­ger Ruhe ge­trennt sind“.
In den ver­gan­ge­nen 40 Jah­ren gab es ei­ni­ge die­ser Stö­ße. Ge­ra­de er­le­ben wir eine be­son­ders hef­ti­ge Er­schüt­te­rung, aus­ge­löst durch die Di­gi­ta­li­sie­rung: Ge­schäfts­mo­del­le, die über Jahr­zehn­te gut funk­tio­nier­ten, ge­ra­ten ins Wan­ken. Eta­blier­te Un­ter­neh­men müs­sen sich schnell und deut­lich ver­än­dern, um ge­gen neue Kon­kur­ren­ten be­ste­hen zu kön­nen. Aber nicht alle die­se Stö­ße ha­ben nach­hal­ti­ge Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft. Ei­ni­ge von ih­nen kom­men und ge­hen wie Mo­de­trends. In die­sem Bei­trag möch­te ich Ih­nen einen Über­blick über die we­sent­li­chen Mo­del­le und Theo­ri­en ge­ben, die das wirt­schaft­li­che Den­ken und Han­deln der ver­gan­ge­nen vier Jahr­zehn­te ge­prägt ha­ben. Ich wage auch einen Aus­blick auf die Zu­kunft.

Drei große Er­eig­nis­se
Wel­che Er­eig­nis­se ha­ben die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten am meis­ten be­ein­flusst? An al­ler­ers­ter Stel­le wohl die Glo­ba­li­sie­rung. Ich bin in West­fa­len zur Schu­le ge­gan­gen; als ich auf dem Gym­na­si­um war, exis­tier­te noch die DDR. Mit 15 Jah­ren be­trat ich zum ers­ten Mal Ost­ber­lin. Es war im Juni 1989, wir mach­ten einen Schul­aus­flug. Für mich war es da­mals un­vor­stell­bar, dass we­ni­ger als ein hal­b­es Jahr spä­ter die Mau­er fal­len wür­de. Und wenn mir je­mand er­zählt hät­te, dass ich 22 Jah­re spä­ter als Prä­si­dent der ESMT Ber­lin eine pri­vat ge­grün­de­te und fi­nan­zier­te Wirt­schafts­uni­ver­si­tät lei­ten wür­de, die auch noch im ehe­ma­li­gen Staats­rats­ge­bäu­de der DDR re­si­diert und Leh­ren­de und For­schen­de aus al­ler Welt an­zieht – ich hät­te ihn wohl aus­ge­lacht. Noch heu­te ist in ei­nem Saal der ESMT das gol­de­ne Ham­mer-und-Zir­kel-Wap­pen zu se­hen, das von ei­nem Äh­ren­kranz um­schlun­gen ist. Es ist ein Mo­sa­ik und ziert eine Wand, die neun Me­ter in die Höhe ragt. Heu­te fin­den in dem Raum, der frü­her der DDR-Re­gie­rung als Fest­saal diente, Ma­na­ge­ment­vor­le­sun­gen statt. Eine be­son­de­re und vor al­lem be­son­ders schö­ne Iro­nie der deut­schen Ge­schich­te!
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