Das Wissen der Besten

HBM Oktober 2019

„Ein Pe­ri­odi­kum neu­en Typs“ soll­te sie sein: Die deut­sche Aus­ga­be der Har­vard Busi­ness Re­view (HBR) weck­te in ih­rem Vor­wort große Er­war­tun­gen, als sie 1979 zum ers­ten Mal er­schi­en. Und in der Tat: Die The­men wa­ren fort­schritt­lich. Im ers­ten Jahr gab es Ar­ti­kel wie „Kri­sen­ma­na­ge­ment in der Da­ten­ver­ar­bei­tung“, „An der Schwel­le zu neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en“ oder „Mit­ar­bei­ter mit neu­en Wert­maß­stä­ben“ – die­se Über­schrif­ten könn­ten auch heu­te Bei­trä­ge zie­ren. Die In­hal­te und Be­grif­fe ha­ben sich wei­ter­ent­wi­ckelt. Statt Fak­si­mi­le­sys­te­me wür­de man heu­te wohl von E-Mails spre­chen, beim Wunsch nach Selbst­ver­wirk­li­chung käme ei­nem die Ge­ne­ra­ti­on Y in den Sinn. Das Kon­zept je­doch ist im Kern das Glei­che ge­blie­ben: Wis­sen­schaft­ler, Ma­na­ger und Be­ra­ter stel­len neue Ide­en und For­schun­gen zur Un­ter­neh­mens­füh­rung vor.
Der „HAR­VARD­ma­na­ger“, wie er da­mals hieß, war 1979 die zwei­te fremd­spra­chi­ge Aus­ga­be, eine ja­pa­ni­sche Ver­si­on gab es schon seit 1976. Vie­le wei­te­re soll­ten fol­gen. Heu­te um­fasst das HBR-Uni­ver­sum zwölf in­ter­na­tio­na­le Aus­ga­ben, zu­letzt kam 2015 in Abu Dha­bi ein ara­bi­sches Ma­ga­zin hin­zu (sie­he Welt­kar­te auf Sei­te 28). Für die in Bo­ston sit­zen­de Mut­ter­zeit­schrift, 1922 an der Har­vard Busi­ness School (HBS) ge­grün­det, sind die in­ter­na­tio­na­len Aus­ga­ben ein Weg, um ihre Missi­on zu er­fül­len: die Pra­xis des Ma­na­ge­ments in ei­ner sich ver­än­dern­den Welt zu ver­bes­sern.
Die deut­sche Aus­ga­be stieß auf eine be­geis­ter­te Le­ser­schaft, wohl auch, weil sie in eine Lücke stieß. Die hie­si­ge Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re war da­mals pra­xis­fern. Ihre ein­fluss­reichs­ten Ver­tre­ter wa­ren Eu­gen Schma­len­bach mit sei­nen Ar­bei­ten im Rech­nungs­we­sen so­wie Erich Gu­ten­berg, der sich nach dem Zwei­ten Welt­krieg als Be­grün­der der mo­der­nen BWL einen Na­men ge­macht hat­te. Aber sie wa­ren vor al­lem Aka­de­mi­kern be­kannt. Em­pi­ri­sche Ar­bei­ten, wie sich Mit­ar­bei­ter bes­ser füh­ren und Un­ter­neh­men stra­te­gisch steu­ern las­sen – an­ge­wandt und über­prüft in ech­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen –, wa­ren sel­ten. Auch heu­te noch ori­en­tiert sich die Wis­sen­schaft in Deutsch­land eher an der Theo­rie, wäh­rend Hoch­schu­len in den USA oft pra­xi­s­ori­en­tier­ter for­schen.
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