Mit Beistand durch die Trauer

HBM September 2019

Trau­er ist ein zu­tiefst mensch­li­ches Ge­fühl, und doch ist in der heu­ti­gen Ar­beits­kul­tur oft kein Platz für Men­schen, die einen schwe­ren Ver­lust er­lit­ten ha­ben. „Am Ar­beits­platz gibt es vie­le Ta­buthe­men“, sag­te uns Lasz­lo Bock, „und der Tod ist ei­nes der größ­ten.“ Der ehe­ma­li­ge Per­so­nal­chef von Goo­gle und Mit­be­grün­der des Si­li­con-Val­ley-Start-ups Humu, das sich die Hu­ma­ni­sie­rung des Ar­beits­plat­zes auf die Fah­nen ge­schrie­ben hat, fei­er­te am Tag un­se­res Ge­sprächs ge­ra­de den „Día de los Mu­er­tos“. Es war der 2. No­vem­ber, und auf An­re­gung ei­nes Mit­ar­bei­ters hat­te Humu die me­xi­ka­ni­sche Tra­di­ti­on auf­ge­grif­fen, an die­sem Tag der Ver­stor­be­nen zu ge­den­ken. „Wir plat­zie­ren Spit­zen­deck­chen und Ker­zen­stän­der im Büro, und die Leu­te stel­len da­ne­ben Fo­tos ver­stor­be­ner An­ge­hö­ri­ger auf“, er­läu­ter­te Bock. „Wir brin­gen den Geis­tern der Ver­stor­be­nen Op­fer dar. Da­mit wol­len wir zum Aus­druck brin­gen, dass es voll­kom­men in Ord­nung ist, über den Tod zu spre­chen, und dass wir an­er­ken­nen müs­sen, dass wir alle sterb­lich sind.“
Wir hat­ten Lasz­lo Bock kon­tak­tiert, weil er – ne­ben She­ryl Sand­berg von Fa­ce­book – eine der we­ni­gen Füh­rungs­kräf­te ist, die die­sem The­ma ech­te Auf­merk­sam­keit zol­len. Sand­berg selbst hat­te, an­ge­regt durch die Er­fah­run­gen nach dem Tod ih­res Ehe­manns, zu­sam­men mit dem Whar­ton-Pro­fes­sor Adam Grant ein Buch zum The­ma ge­schrie­ben. (Le­sen Sie dazu auch das In­ter­view mit Sand­berg und Grant „Ak­zep­tie­ren Sie den Schmerz“, Har­vard Busi­ness Ma­na­ger Juni 2017.) Auch Lasz­lo Bock geht mit dem Ta­buthe­ma Tod ganz of­fen um und tritt da­für ein, dass Un­ter­neh­men dem nächs­ten An­ge­hö­ri­gen ei­nes ver­stor­be­nen Mit­ar­bei­ters zehn Jah­re lang 50 Pro­zent von des­sen letz­tem Ge­halt wei­ter­zah­len – zu­züg­lich ei­nes mo­nat­li­chen Zu­schus­ses für je­des Kind im schul­pflich­ti­gen Al­ter. Und dies un­ab­hän­gig da­von, wel­che Po­si­ti­on der Ver­stor­be­ne in­ne­hat­te und wie lan­ge er im Un­ter­neh­men tä­tig war.
Die­se HR-Maß­nah­me schlug bei Goo­gle ein „wie eine Bom­be“, be­rich­te­te Bock. „Das spricht die Wer­te je­des Men­schen an, das ist wah­res Mit­ge­fühl und Barm­her­zig­keit. Für Mit­ar­bei­ter, die an ei­ner un­heil­ba­ren Krank­heit lit­ten, war es eine un­ge­heu­re Er­leich­te­rung.“ Au­ßer­dem ent­las­tet eine sol­che Per­so­nal­po­li­tik Ma­na­ger, die so nicht mehr ad hoc ent­schei­den müs­sen, wie sie mit den Hin­ter­blie­be­nen ei­nes ver­stor­be­nen Team­mit­glieds um­ge­hen sol­len. Gleich­zei­tig war Bock klar, dass die fi­nan­zi­el­len Sor­gen, die häu­fig mit ei­nem Ver­lust ein­her­ge­hen, nur die Spit­ze des Eis­bergs sind.
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