Zeit macht glücklich

HBM August 2019

Adam – sei­ne Ge­schich­te ist wahr, sein Name ge­än­dert – war ein gu­ter Mit­ar­bei­ter, dem ein Traum­pro­jekt über­tra­gen wur­de. Er glaub­te, dass es ihm eine Be­för­de­rung und eine Ge­halts­er­hö­hung ein­brin­gen könn­te. Es zu über­neh­men schi­en für ihn der sprich­wört­li­che Selbst­läu­fer zu sein: Ar­bei­te hart, er­le­di­ge den Auf­trag, er­hal­te mehr Geld. Er wuss­te, er wür­de bis in den Abend und auch am Wo­chen­en­de meh­re­re Stun­den ar­bei­ten müs­sen, was be­deu­te­te, dass er Zeit mit sei­ner jun­gen Fa­mi­lie wür­de op­fern müs­sen. Er wuss­te, dass es stres­sig wer­den wür­de, die Fris­ten ein­zu­hal­ten und mit den Men­schen und Er­war­tun­gen um­zu­ge­hen, die mit dem Pro­jekt ver­bun­den wa­ren. Er wuss­te aber auch, dass er am Ende be­lohnt wer­den wür­de und die ver­lo­re­ne Zeit wie­der wett­ma­chen konn­te.
Das Pro­blem war nur: Die Be­loh­nung blieb aus. Ob­wohl sein Pro­jekt ein Er­folg wur­de, be­kam je­mand an­de­res aus ei­nem an­de­ren Pro­jekt die Be­för­de­rung und die Ge­halts­er­hö­hung. Auch er hat­te sie sich ver­dient. Adam er­hielt Lob für die gute Ar­beit, er führ­te sein Pro­jekt er­folg­reich wei­ter, doch er war nicht glück­lich. Abends stand er im Stau, Stoß­stan­ge an Stoß­stan­ge, und grü­bel­te, was da ei­gent­lich pas­siert war. Er rech­ne­te all die Stun­den zu­sam­men, die er in­ves­tiert hat­te. Wo­für das al­les? Er hat­te das Ge­fühl, wert­vol­le Zeit ver­schwen­det – nein, ver­lo­ren – zu ha­ben.
Si­cher hat Adam recht. Doch die For­schung zeigt, dass er wo­mög­lich ge­nau­so un­zu­frie­den ge­we­sen wäre, wenn er die Be­för­de­rung und Ge­halts­er­hö­hung be­kom­men hät­te. Egal was un­se­re Be­mü­hun­gen brin­gen: Wir alle ha­ben zu­neh­mend das Ge­fühl, zu we­nig Zeit zu ha­ben. Häu­fig ma­chen uns die Din­ge, von de­nen wir den­ken, dass sie uns glück­lich ma­chen müss­ten – die Er­fol­ge, für die wir so hart ar­bei­ten – al­les an­de­re als glück­lich. Und ganz si­cher ge­ben sie uns nicht die Zeit mit un­se­ren Fa­mi­li­en und Freun­den zu­rück oder Zeit für uns selbst.
Es gibt zahl­rei­che Be­le­ge da­für, dass das Ge­fühl, ge­nug Zeit zu ha­ben („Zeitreich­tum“) in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ak­tu­ell auf dem Tiefst­stand an­ge­langt ist. Als mein Team und ich eine Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Gal­lup un­ter 2,5 Mil­lio­nen Ame­ri­ka­nern ana­ly­sier­ten, stell­ten wir fest, dass 80 Pro­zent al­ler Be­frag­ten nicht ge­nug Zeit hat­ten, um je­den Tag al­les zu er­le­di­gen, was sie sich vor­ge­nom­men hat­ten. Die Lage ist so ernst, dass sie so­gar als re­gel­rech­te „Zeit­not“ be­schrie­ben wer­den kann, als kol­lek­ti­ves, kul­tu­rel­les Schei­tern dar­an, un­se­re kost­bars­te Res­sour­ce ef­fek­tiv zu ma­na­gen: Zeit.
Zeit­man­gel gibt es in al­len Wirt­schafts­schich­ten, und er hat tief grei­fen­de Aus­wir­kun­gen. Die For­schung zeigt, dass jene, die sich arm an Zeit füh­len, we­ni­ger Glück und statt­des­sen mehr Angst, De­pres­sio­nen und Stress er­le­ben. Sie emp­fin­den we­ni­ger Freu­de. Sie la­chen we­ni­ger. Sie trei­ben we­ni­ger Sport und sind we­ni­ger ge­sund. Ihre Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät ist be­ein­träch­tigt. Sie las­sen sich eher schei­den. Bei un­se­rer Ana­ly­se der Gal­lup-Um­fra­ge fan­den mein Team und ich so­gar her­aus, dass Zeitstress sich stär­ker ne­ga­tiv auf das per­sön­li­che Glück aus­wirkt als Ar­beits­lo­sig­keit.
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