Neue Märkte schaffen

HBM Juli 2019

Wenn ein Film di­rekt auf DVD ver­öf­fent­licht wird, ist das ge­wöhn­lich kein gu­tes Zei­chen: Die ers­ten Kri­ti­ken wa­ren schlecht, die Qua­li­tät ist frag­wür­dig, oder die Geld­ge­ber heg­ten be­rech­tig­te Zwei­fel, dass er ein aus­rei­chend großes Pu­bli­kum im Kino fin­den wür­de. Di­rect-to-Vi­deo galt ge­mein­hin als der si­chers­te Weg, sich ohne Ge­sichts­ver­lust neu­en Din­gen zu­zu­wen­den. Doch der Di­rect-to-Vi­deo-Film „Li­ving in Bon­da­ge“, den der ni­ge­ria­ni­sche Elek­tro­händ­ler Ken­neth Nne­bue 1992 dreh­te, war al­les an­de­re als ein Flop.
Nne­bue hat­te eine Lie­fe­rung lee­rer Vi­deo­kas­set­ten er­hal­ten, die er in sei­nem La­den ver­kau­fen soll­te. Al­ler­dings war ihm so­fort klar, dass die meis­ten Ni­ge­ria­ner da­für kei­ne Ver­wen­dung hat­ten. So kam er auf die Idee, die Kas­set­ten mit ei­nem selbst ge­dreh­ten Vi­deo­film zu ver­mark­ten. Er schrieb ein Dreh­buch, fand einen Pro­du­zen­ten und einen Re­gis­seur und heu­er­te Schau­spie­ler und Schau­spie­le­rin­nen an. Den so ent­stan­de­nen zwei­tei­li­gen Thril­ler über einen bank­rot­ten Ge­schäfts­mann, der mit­tels He­xe­rei sein Ver­mö­gen zu­rück­ge­winnt, über­spiel­te er dann auf die VHS-Bän­der. In Ni­ge­ria gab es da­mals prak­tisch kei­ne Ki­nos. Der mit ei­nem Bud­get von ge­ra­de ein­mal 12.000 US-Dol­lar ge­dreh­te Film ver­kauf­te sich afri­ka­weit meh­re­re Hun­dert­tau­send Mal und ka­ta­pul­tier­te „Nol­ly­wood“, die da­mals noch in den Kin­der­schu­hen ste­cken­de ni­ge­ria­ni­sche Fil­m­in­dus­trie, in die ers­te Liga.
Vor 25 Jah­ren prak­tisch un­be­kannt, pro­du­ziert Nol­ly­wood heu­te jähr­lich rund 1500 Spiel­fil­me, be­schäf­tigt über eine Mil­li­on Ni­ge­ria­ner und wird auf einen Markt­wert von 3,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ge­schätzt. Rein zah­len­mä­ßig kann Nol­ly­wood es also durch­aus mit Hol­ly­wood und Bol­ly­wood auf­neh­men.
Es dau­er­te nicht lan­ge, bis die­ser hei­mi­sche Wirt­schafts­zweig die Auf­merk­sam­keit von Fi­nan­z­in­sti­tu­ten er­reg­te. In­zwi­schen ver­fü­gen ei­ni­ge da­von über ei­ge­ne Ab­tei­lun­gen, die in ent­spre­chen­de Pro­duk­tio­nen in­ves­tie­ren. Schät­zun­gen zu­fol­ge gibt es in Ni­ge­ria heu­te mehr als 50 Film­hoch­schu­len. Die Re­gie­rung hat För­der­pro­gram­me zur Aus­bil­dung von Fil­me­ma­chern und zur Fi­nan­zie­rung neu­er Spiel­fil­me ins Le­ben ge­ru­fen und fängt an, Film­pi­ra­te­rie und Ur­he­ber­rechts­schutz ernst zu neh­men. 2018 rich­te­ten so­wohl New York als auch To­ron­to Nol­ly­wood-Film­fes­ti­vals aus, und Net­flix kauf­te mit „Lion­he­art“ sei­nen ers­ten Nol­ly­wood-Film.
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