Doping für den Job

FALLSTUDIE:

HBM Juni 2019

Zwi­schen Mark Os­ter­mann und sei­nem Ziel, end­lich Part­ner bei Wie­berg & Co. zu wer­den, lag ein klei­nes, ge­füll­tes Plas­tik­tüt­chen. Noch eine hal­be Stun­de, dann wür­de er sein Han­dy aus der schwar­zen Le­der­hül­le lö­sen, das flach­ge­drück­te Tüt­chen aus sei­nem Ver­steck ho­len – und al­les wür­de gut.
Mark Os­ter­mann, 38, groß, schlank, cha­ris­ma­tisch, war der Typ, dem al­les ge­lang: Er hat­te zü­gig BWL stu­diert, war be­reits als Werks­stu­dent bei ei­ner großen Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft auf­ge­fal­len und nach dem Ex­amen gleich über­nom­men wor­den. Das Bran­chen­man­tra „Up or out“ emp­fand Os­ter­mann nicht als Be­dro­hung, son­dern als Ver­hei­ßung. Sei­ne Kar­rie­re kann­te bis­her nur eine Rich­tung: up. Er hat­te sich im Be­reich Deal Ad­vi­so­ry einen Na­men ge­macht, mit großer Ge­schwin­dig­keit und zu­gleich akri­bi­scher Sorg­falt im­mer grö­ße­re Kun­den durch Trans­ak­tio­nen ge­führt, und er schi­en selbst den ver­fah­rens­ten Deal er­folg­reich ab­zu­schlie­ßen. Für sei­nen Wunsch, Part­ner und Head of Tran­sac­ti­on Ser­vices zu wer­den, sah es gut aus.
Os­ter­mann lieb­te sei­nen Job, auch heu­te, an ei­nem früh­lings­haf­ten Abend An­fang Mai. Es war Frei­tag, kurz vor 20 Uhr, und das Of­fi­ce leer­te sich. Selbst Eli­sa­beth Ham­bach, die Lei­te­rin des Düs­sel­dor­fer Bü­ros von Wie­berg & Co., war be­reits mit we­hen­dem Sei­den­schal ins Wo­chen­en­de ent­schwun­den. Doch Os­ter­mann saß an sei­nem Schreib­tisch, auf ihn war­te­te noch Ar­beit: Der Kun­de, ein mit­tel­stän­di­scher Ma­schi­nen­bau­er aus dem Saar­land, hat­te Pro­ble­me bei der Über­nah­me ei­nes aus­län­di­schen Kon­kur­ren­ten. Es galt zu ret­ten, was zu ret­ten war. Os­ter­mann at­me­te tief ein. Er spür­te, wie die Mü­dig­keit in ihm hoch­kroch, und blick­te auf den Bild­schirm. Ir­gend­wo tief in den Bi­lan­zen und Ver­trä­gen ver­steck­te sich eine Lö­sung, das wuss­te er. Er hat­te sie bis­lang im­mer ge­fun­den. Mon­tag muss­te er sie beim Kun­den prä­sen­tie­ren. Os­ter­mann leg­te die rech­te Hand auf sein Smart­pho­ne, noch war es zu früh, erst wenn alle ge­gan­gen wa­ren, wür­de er das Tüt­chen be­frei­en kön­nen und es ihn.

Be­such vom Min­der­leis­ter
„Mark, hey, wie geht's?“ Os­ter­mann er­schrak, als sein Kol­le­ge Jan Ber­ger in der Tür stand. „Klas­se“, sag­te Os­ter­mann. Ber­ger war der Letz­te, den er jetzt se­hen woll­te. Die Män­ner ar­bei­te­ten seit sie­ben Jah­ren Sei­te an Sei­te, doch zu Freun­den wa­ren sie nie ge­wor­den, im Ge­gen­teil. Die bei­den ver­band eine ge­pfleg­te Kon­kur­renz. Os­ter­mann war ge­nervt. „Was gibt's so Drin­gen­des, dass du den Fei­er­abend auf­schie­bst?“, frag­te er.
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