Das perfekte Datenteam

HBM Juni 2019

Die mo­der­ne Da­ten­wis­sen­schaft ist im­mer noch eine jun­ge Dis­zi­plin, aber sie wird schnell er­wach­sen. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren hat die Wirt­schaft Mil­li­ar­den in die ta­len­tier­tes­ten Da­ten­wis­sen­schaft­ler in­ves­tiert, da­mit die­se Zet­ta­by­tes von Da­ten zu­sam­men­tra­gen und aus der un­fass­ba­ren Men­ge an chao­ti­schen In­for­ma­tio­nen mit in­tel­li­gen­ten Me­tho­den und Sys­te­men nütz­li­che Er­kennt­nis­se ge­win­nen. In ge­wis­sem Um­fang funk­tio­niert das auch. Die neue Da­te­n­ori­en­tie­rung hat dazu ge­führt, dass wir eine Rei­he von Be­rei­chen in­zwi­schen völ­lig an­ders be­trach­ten – von Über­set­zun­gen über den Ein­zel­han­del und die Ge­sund­heits­ver­sor­gung bis hin zu Sport­ar­ten wie Bas­ket­ball.
Doch al­len Er­folgs­ge­schich­ten zum Trotz ge­lingt es vie­len Un­ter­neh­men nicht, das Po­ten­zi­al der Da­ten­wis­sen­schaft, auch Data Science ge­nannt, voll aus­zu­schöp­fen. Selbst gute Ana­ly­sen kön­nen vie­le nicht ge­winn­brin­gend um­set­zen. Sie schei­tern auf den letz­ten Me­tern: beim Kom­mu­ni­zie­ren der Er­kennt­nis­se an Ent­schei­dungs­trä­ger (sie­he dazu auch den Kas­ten „Wa­rum Kom­mu­ni­ka­ti­on schei­tert“).
Das Data-Science-Por­tal Kag­gle fand 2017 bei ei­ner Um­fra­ge un­ter mehr als 7000 Nut­zern her­aus, dass vier der sie­ben größ­ten Hin­der­nis­se am Ar­beits­platz mit nicht­fach­li­chen Schwie­rig­kei­ten zu tun ha­ben: „man­geln­de Ma­na­ge­ment- oder fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung“, „kei­ne kla­ren Fra­ge­stel­lun­gen“, „die Ent­schei­dungs­trä­ger set­zen un­se­re Er­geb­nis­se nicht um“ und „an­de­ren Data Science er­klä­ren“. Das passt zu den Er­geb­nis­sen, zu de­nen der Da­ten­wis­sen­schaft­ler Hugo Bow­ne-An­der­son kam, als er 35 Data Scien­tists für sei­nen Pod­cast be­frag­te. In ei­nem Bei­trag für hbr.org schrieb er: „Die meis­ten mei­ner Gäs­te sag­ten, Da­ten­wis­sen­schaft­ler brauch­ten vor al­lem ... eine schnel­le Auf­fas­sungs­ga­be und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stär­ke, um Fra­gen aus Un­ter­neh­mens­sicht be­ant­wor­ten und Fach­frem­den kom­pli­zier­te Er­geb­nis­se er­klä­ren zu kön­nen.“
Bei mei­ner Ar­beit als Hoch­schul­do­zent und Un­ter­neh­mens­be­ra­ter für Da­ten­vi­sua­li­sie­rung und Prä­sen­ta­tio­nen er­le­be ich, wie so­wohl Da­ten­wis­sen­schaft­ler als auch Top­ma­na­ger ih­rem Frust Luft ma­chen. Data-Science-Teams ha­ben wert­vol­le Er­kennt­nis­se, kön­nen sie aber nicht ver­mit­teln. Sie be­kla­gen sich dar­über, dass Ent­schei­dungs­trä­ger ihre Ana­ly­sen nicht ver­stün­den, ihre Er­geb­nis­se zu stark ver­ein­fach­ten und Wun­der von ih­nen er­war­te­ten – als könn­te die Da­ten­wis­sen­schaft die Ant­wort auf alle Fra­gen lie­fern. Top­ma­na­ger be­schwe­ren sich dar­über, dass sie viel Geld in ihre Da­ten­ab­tei­lun­gen in­ves­tier­ten, ohne die ge­wünsch­ten Re­sul­ta­te zu er­zie­len. Sie se­hen kei­ne kon­kre­ten Er­geb­nis­se, weil die Er­geb­nis­se nicht in ih­rer Spra­che kom­mu­ni­ziert wer­den.
Dass Ma­na­ger und Tech­no­lo­gie­ex­per­ten un­ter­schied­lich ti­cken, ist nichts Neu­es, aber die Kluft, um die es hier geht, ist tiefer. Das Pro­blem mit der Ver­mitt­lung kom­ple­xer Sach­ver­hal­te hat Wil­lard Brin­ton schon vor 105 Jah­ren – lan­ge be­vor es Com­pu­ter und Pro­gram­mie­rer gab – in sei­nem weg­wei­sen­den Buch „Gra­phic Me­thods for Pre­sen­ting Facts“ be­schrie­ben: „Im­mer wie­der kommt es vor, dass ein un­wis­sen­des oder über­heb­li­ches Mit­glied ei­nes Aus­schus­ses oder Boards of Di­rec­tors den Plan von je­man­dem, der die Fak­ten kennt, um­wirft, nur weil der­je­ni­ge, der die Fak­ten hat, die­se nicht über­zeu­gend prä­sen­tie­ren kann. ... Eine ef­fek­ti­ve Prä­sen­ta­ti­on und ihre Da­ten­grund­la­ge sind wie eine Ka­the­dra­le und ihr Fun­da­ment.“ Wie kann es sein, dass wir nach mehr als 100 Jah­ren im­mer noch das glei­che Pro­blem ha­ben?
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
12
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
12
Zeichen:
44.356
Nachdrucknummer:
201906050
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
Nach oben