Innovation erfordert Disziplin

HBM Juni 2019

Eine in­no­va­ti­ons­freu­di­ge Kul­tur wirkt sich nicht nur po­si­tiv auf den Ge­winn ei­nes Un­ter­neh­mens aus. Sie liegt Füh­rungs­kräf­ten und Mit­ar­bei­tern auch aus an­de­ren Grün­den am Her­zen. In mei­nen Se­mi­na­ren habe ich auf der gan­zen Welt Hun­der­te von Ma­na­gern ge­fragt, ob sie gern in ei­nem Un­ter­neh­men ar­bei­ten wür­den, in dem In­no­va­ti­on zur Nor­ma­li­tät ge­hört. Ich kann mich an kei­ne ein­zi­ge Per­son er­in­nern, die die­se Fra­ge ver­neint hät­te. Und das ist ja auch kein Wun­der: Schließ­lich hört man von al­len Sei­ten, wie viel Spaß es macht, in ei­nem der­ar­ti­gen Um­feld zu ar­bei­ten. Als ich die­sel­ben Ma­na­ger auf­for­der­te, sol­che Un­ter­neh­mens­kul­tu­ren zu be­schrei­ben, zähl­ten sie lau­ter Ei­gen­schaf­ten auf, die in Ma­na­ge­men­trat­ge­bern in den höchs­ten Tö­nen ge­prie­sen wer­den: Feh­ler­to­le­ranz, Ex­pe­ri­men­tier­freu­de, psy­cho­lo­gi­sche Si­cher­heit, aus­ge­präg­ter Ko­ope­ra­ti­ons­geist, kei­ne hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren. Und wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­su­chun­gen zu­fol­ge füh­ren die­se Prin­zi­pi­en tat­säch­lich zu ei­ner hö­he­ren In­no­va­ti­ons­leis­tung.
Doch ob­wohl eine in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­mens­kul­tur durch­aus wün­schens­wert ist und die meis­ten Füh­rungs­kräf­te zu wis­sen be­haup­ten, was sie aus­macht, ist es doch sehr schwie­rig, sie zu schaf­fen und auf­recht­zu­er­hal­ten. Wor­an liegt das? Wa­rum sind Prak­ti­ken, die sich of­fen­bar all­ge­mei­ner Be­liebt­heit er­freu­en – und die so­gar Spaß ma­chen –, so schwer um­zu­set­zen?
Mei­ner Mei­nung nach liegt das dar­an, dass in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­mens­kul­tu­ren oft miss­ver­stan­den wer­den. Die Ver­hal­tens­wei­sen, die je­der mag und über die so viel ge­schrie­ben wird, sind näm­lich nur eine Sei­te der Me­dail­le. Sie müs­sen durch Spiel­re­geln aus­ge­gli­chen wer­den, die dem Spaß an der Ar­beit wei­taus we­ni­ger för­der­lich sind. Ein feh­ler­to­le­ran­tes Un­ter­neh­men darf kei­ne In­kom­pe­tenz ak­zep­tie­ren. Ex­pe­ri­men­tier­freu­de er­for­dert stren­ge Dis­zi­plin. In ei­nem Un­ter­neh­menskli­ma psy­cho­lo­gi­scher Si­cher­heit müs­sen Mit­ar­bei­ter be­reit sein, scho­nungs­lo­se Of­fen­heit zu er­tra­gen. Ko­ope­ra­ti­ons­geist er­for­dert als Ge­gen­ge­wicht ho­hes Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein der ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter; und ein Un­ter­neh­men mit fla­chen Hier­ar­chi­en braucht eine star­ke Füh­rung. Wenn das Ma­na­ge­ment die Span­nun­gen nicht im Zaum hal­ten kann, die durch die­se Wi­der­sprü­che ent­ste­hen, wird es ihm nicht ge­lin­gen, eine in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­mens­kul­tur zu schaf­fen.
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