Projekt Neugier

CHEFSACHE:

HBM Mai 2019

Es war Mai 2015, und ich flog mit ei­ni­gen Freun­den für ein lan­ges Wo­chen­en­de nach Me­xi­ko. Ei­ner von ih­nen hat­te Ge­burts­tag, und das woll­ten wir fei­ern. Den Frei­ta­gnach­mit­tag ver­brach­ten wir am Pool der Ho­tel­an­la­ge und spiel­ten ein Ge­sell­schaftss­piel. Dave Gold­berg, ein en­ger Freund von mir, ging an­schlie­ßend in den Fit­ness­raum, um ein biss­chen zu trai­nie­ren. Sei­ne Frau She­ryl Sand­berg blieb bei uns am Pool und dös­te vor sich hin.
Spä­ter gin­gen wir alle zu­rück auf un­se­re Zim­mer, dusch­ten und zo­gen uns fürs Aben­des­sen um. Als wir zum Ape­ri­tif zu­sam­men­ka­men, fehl­te Dave. She­ryl such­te nach ihm. Zu­sam­men mit Da­ves Bru­der Rob fand sie ihn schließ­lich: Er lag be­wusst­los im Fit­ness­raum. Als ich im Kran­ken­haus an­kam, muss­te ich er­fah­ren, dass er ge­stor­ben war. Es war furcht­bar und sehr schmerz­voll.
Dave war der CEO von Sur­vey­Mon­key, ei­nem Un­ter­neh­men, das neue An­sät­ze für Feed­back durch On­li­ne­be­fra­gun­gen ent­wi­ckel­te. Ich war Mit­glied des Auf­sichts­rats.
Als ich nach Mit­ter­nacht zu­rück ins Ho­tel kam, rief ich ein paar Leu­te aus dem Füh­rungs­stab des Un­ter­neh­mens an und über­mit­tel­te ih­nen die schreck­li­che Nach­richt. Am Sams­tag­mor­gen schrieb ich ganz früh eine E-Mail an sämt­li­che 550 Mit­ar­bei­ter. Die Be­treff­zei­le lau­te­te: „Un­ser Freund Dave Gold­berg“. Ich teil­te ih­nen mit, dass Dave von uns ge­gan­gen war und dass wir am Mon­tag mehr wis­sen wür­den.
Der Auf­sichts­rat traf sich am Sonn­tag­mor­gen in der Un­ter­neh­mens­zen­tra­le mit dem obe­ren Ma­na­ge­ment. Am nächs­ten Mor­gen hiel­ten wir ein All-Hands-Mee­ting für die Be­leg­schaft ab. Der Auf­sichts­rat und das Füh­rungs­team spra­chen über Da­ves Tod und wie es in der nächs­ten Zeit mit Sur­vey­Mon­key wei­ter­ge­hen soll­te, aber wir gin­gen auch of­fen mit un­se­rer per­sön­li­chen Trau­er um. Wir hat­ten Trau­er­be­glei­ter en­ga­giert, die uns un­ter­stütz­ten. Und wir stell­ten den Leu­ten frei, nach Hau­se zu ge­hen, wenn sie nicht am Ar­beits­platz blei­ben woll­ten.
Es gibt kei­ne Ge­brauchs­an­wei­sung da­für, was zu tun ist, wenn der CEO – ein bei al­len be­lieb­ter Men­sch, der vie­le der ver­sam­mel­ten Mit­ar­bei­ter per­sön­lich ein­ge­stellt hat­te – im Al­ter von 47 Jah­ren plötz­lich stirbt. Alle be­fan­den sich in ei­nem Schock­zu­stand und wa­ren ex­trem dünn­häu­tig. Trotz­dem muss­ten wir den Be­trieb auf­recht­er­hal­ten. Das ver­lang­te von uns al­len eine ge­wis­se Be­wusst­seins­s­pal­tung. Zu den vie­len klu­gen Ge­dan­ken, die She­ryl nach Da­ves Tod no­tier­te, ge­hört der Satz: „Es ist heil­sam, Din­ge aus­ein­an­der­hal­ten zu kön­nen.“
Zu­sätz­lich zu mei­ner Funk­ti­on als Mit­glied des Auf­sichts­rats ar­bei­te­te ich in Los An­ge­les Voll­zeit als Se­ni­or Vice Pre­si­dent bei Go­Pro, dem Her­stel­ler von Ac­tion­ka­me­ras. Dort war ich für die Ab­tei­lung En­ter­tain­ment zu­stän­dig. Sur­vey­Mon­key frag­te an, ob ich be­reit wäre, vor­über­ge­hend den Pos­ten des Exe­cu­ti­ve Chair­man zu über­neh­men, mit zwei Haupt­auf­ga­ben: die Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger für Dave zu lei­ten und das Un­ter­neh­men da­bei zu un­ter­stüt­zen, den von Dave ent­wor­fe­nen Plan aus­zu­füh­ren. Ich bat den CEO von Go­Pro um die Er­laub­nis, mei­ne Zeit den Som­mer über zwi­schen Go­Pro und Sur­vey­Mon­key auf­tei­len zu dür­fen, und er stimm­te groß­zü­gig zu. Ich mach­te al­len deut­lich, dass ich nicht als Kan­di­dat für den Pos­ten des CEOs bei Sur­vey­Mon­key in­fra­ge käme, und blieb da­bei. Im Juli stell­ten wir nach ei­ner aus­gie­bi­gen Su­che einen Nach­fol­ger für Dave ein.
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