„Schlaflose Nächte“

HBM April 2019

Herr Mo­ro­ney, wie ha­ben Sie sich zwei Jahr­zehn­te an der Spit­ze ei­nes TecDax-Un­ter­neh­mens hal­ten kön­nen?
MO­RO­NEY Auf die­se Fra­ge habe ich kei­ne Ant­wort. Es war je­den­falls nicht ge­plant. Ein we­sent­li­cher Fak­tor war si­cher die große Ge­duld, die der Auf­sichts­rat mit mir hat­te. Aus mei­ner Sicht habe ich ein­fach im­mer wei­ter­ge­macht, weil ich Spaß an mei­ner Ar­beit hat­te. Her­aus­for­de­run­gen gab es mehr als ge­nug. Zwi­schen­durch muss­ten wir ei­ni­ge her­be Rück­schlä­ge ver­kraf­ten, die die Exis­tenz des Un­ter­neh­mens be­droh­ten.

Mei­nen Sie das Plat­zen der Dot­com-Bla­se nach Ih­rem Bör­sen­gang 1999, als die Ak­ti­en­kur­se ab­stürz­ten?
MO­RO­NEY Die­se Zeit war tat­säch­lich aben­teu­er­lich für jun­ge Hight­ech­un­ter­neh­men. Un­se­re schwie­rigs­te Pha­se kam je­doch erst ein paar Jah­re da­nach als Spät­fol­ge des Cras­hs. Im Jahr 2002 hat­ten wir knapp 100 Mit­ar­bei­ter, von de­nen wir rund ein Drit­tel ent­las­sen muss­ten. Das war schreck­lich, denn auch die Üb­rig­ge­blie­be­nen ent­wi­ckel­ten Zwei­fel am Über­le­ben des Un­ter­neh­mens. Auch nach der Sa­nie­rung hat­ten wir noch ziem­lich lan­ge Schwie­rig­kei­ten, qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu fin­den. Kaum je­mand woll­te zu Mor­pho­Sys wech­seln. Es hat lan­ge ge­dau­ert, bis das Ver­trau­en in un­se­re Bran­che wie­der­her­ge­stellt war.

Wa­rum wur­de Mor­pho­Sys erst Jah­re nach dem Crash von der Kri­se er­fasst?
MO­RO­NEY Wir konn­ten uns zu­nächst ver­gleichs­wei­se gut hal­ten, weil wir un­se­re Tech­no­lo­gie, die Phar­maun­ter­neh­men Zu­griff auf un­se­re Bi­blio­thek mit Bau­plä­nen mensch­li­cher An­ti­kör­per ge­währ­te, schon weit ent­wi­ckelt hat­ten. Zu­dem hat­ten wir so­li­de Be­zie­hun­gen zu ers­ten Kun­den auf­ge­baut. Mor­pho­Sys ar­bei­te­te da­mals fast aus­schließ­lich als Dienst­leis­ter. Die Um­set­zung un­se­res ei­gent­li­chen Ziels, ei­ge­ne Me­di­ka­men­te zu ent­wi­ckeln, wur­de aber im­mer schwie­ri­ger, da der Zu­gang zu fri­schem Ka­pi­tal durch den Zu­sam­men­bruch des Neu­en Mark­tes ab­ge­schnit­ten war.

Wie ha­ben Sie als CEO die­se kri­ti­sche Pha­se er­lebt?
MO­RO­NEY Die ers­te Zeit fühl­te ich mich wie auf ei­nem Se­gel­boot, das in einen Or­kan ge­ra­ten ist. Wir wa­ren zum Spiel­ball un­kon­trol­lier­ba­rer Ge­wal­ten ge­wor­den und ver­such­ten nur, uns über Was­ser zu hal­ten – ohne Sicht, ohne Ge­fühl für Raum und Zeit. An eine hand­werk­lich sau­be­re Kurs­be­stim­mung war nicht zu den­ken. Nach ein paar Mo­na­ten schlu­gen die Wel­len nicht mehr je­den Tag über uns zu­sam­men, doch eine nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung un­se­rer Cas­h­si­tua­ti­on war nicht ab­seh­bar. Nie­mand glaub­te mehr an die Zu­kunft me­di­zi­ni­scher Bio­tech­no­lo­gie, zu­min­dest nicht an klei­ne Un­ter­neh­men wie uns – we­der die Bör­se noch po­ten­zi­el­le Part­ner in der Phar­ma­b­ran­che noch die Öf­fent­lich­keit.

Mit Si­mon Mo­ro­ney sprach HBM-Re­dak­teur Mi­cha­el O. R. Krö­her.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
4
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
5
Zeichen:
18.313
Nachdrucknummer:
201904064
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
Nach oben