„Manager kennen nicht alle Antworten“

CEO-GESPRÄCH:

HBM November 2018

Die öf­fent­li­che Mei­nung von der Wall Street ist im­mer noch ziem­lich ne­ga­tiv. Se­hen Sie es als Ihre Auf­ga­be, das zu ver­bes­sern?
DI­MON Es ist schwer, die­se Wahr­neh­mung zu ver­än­dern, weil Ban­ken nun mal an­ders sind als an­de­re Un­ter­neh­men. Wenn Sie in einen Wal­mart ge­hen und Geld in der Ta­sche ha­ben, dann ver­kau­fen sie dir et­was. Aber Ban­ken müs­sen Men­schen ab­wei­sen. Wir ge­wäh­ren den Kre­dit nicht. Oder wir ge­ben Ih­nen zwar einen Kre­dit, er­zäh­len Ih­nen aber, dass Sie prak­tisch Ih­ren Erst­ge­bo­re­nen ver­kau­fen müs­sen, um den Ver­trag zu er­fül­len. Je­der kennt sol­che Hor­ror­ge­schich­ten. Wir müs­sen un­se­ren Job ma­chen, un­se­re Kun­den gut be­han­deln, und dann er­gibt sich un­ser Ruf schon.

Hat das schlech­te An­se­hen der Bran­che Fol­gen?
DI­MON Ja. Tei­le die­ser ne­ga­ti­ven Wahr­neh­mung ha­ben die Ban­ken sich wäh­rend der Fi­nanz­kri­se 2008 wohl­ver­dient. Nicht alle Ban­ken wa­ren für das Schei­tern und den Ab­schwung der Wirt­schaft ver­ant­wort­lich, aber wir wur­den alle über einen Kamm ge­scho­ren: „Das sind doch al­les Bon­zen, die mit Steu­er­gel­dern ge­ret­tet wer­den muss­ten.“ Es wird eine Ge­ne­ra­ti­on dau­ern, um den Ruf der Bran­che wie­der­auf­zu­bau­en.
Wei­taus mehr Ver­mö­gen kon­zen­triert sich seit­dem bei nur we­ni­gen US-Ban­ken. Ist das okay?
DI­MON Ja, ich den­ke schon. Die Men­schen müs­sen das ra­tio­nal se­hen. In den USA ist die Bank­bran­che wei­taus we­ni­ger kon­zen­triert als in vie­len an­de­ren Län­dern: Ja­pan, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en. Wenn Sie glo­bal und di­ver­si­fi­ziert sind, dann müs­sen Sie groß sein. Es ist schwer mit­zu­hal­ten, wenn Sie kei­ne Grö­ßen­vor­tei­le ha­ben.

Heißt das, „Too big to fail“ ist ein sinn­lo­ses Kon­zept?
DI­MON Nie­mand will Ban­ken, die zu groß zum Schei­tern sind – wenn das Er­geb­nis des Schei­terns ist, dass die Men­schen da­für be­zah­len müs­sen oder es mit der Wirt­schaft bergab geht. Ei­nem Un­ter­neh­men soll­te es aber er­laubt sein, plei­te­zu­ge­hen, wenn das für die Wirt­schaft nicht ge­fähr­lich wird und nicht die Steu­er­zah­ler da­für auf­kom­men müs­sen.

Ha­ben die seit der Fi­nanz­kri­se ein­ge­führ­ten Ge­set­ze da­bei ge­hol­fen?
DI­MON Die neu­en Ei­gen­ka­pi­tal­re­gu­lie­run­gen sind gut. Heu­te müss­te Leh­man Bro­t­hers (das wäh­rend der Kri­se von 2008 zu­sam­men­brach – Anm. d. Red.) drei­mal mehr Ei­gen­ka­pi­tal und vier­mal mehr Li­qui­di­tät vor­hal­ten – und wenn das Un­ter­neh­men in Schwie­rig­kei­ten ge­rie­te, wür­de es wahr­schein­lich nicht ab­stür­zen. Heu­te ha­ben die Re­gu­lie­rungs­be­hör­den einen Me­cha­nis­mus, Din­ge ge­ord­net ab­zu­wi­ckeln, wenn eine Bank bank­rott­geht. Au­ßer­dem wer­den die Ver­lus­te auch der Bank rück­be­las­tet, nicht der ame­ri­ka­ni­schen Be­völ­ke­rung.

Mit Ja­mie Di­mon sprach HBR-Chef­re­dak­teur Adi Igna­ti­us.
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