Doppelt spitze

HBM November 2018

David war Ma­na­ger bei ei­nem mul­ti­na­tio­na­len Kon­zern und lei­te­te dort kom­pe­tent und ver­trau­ens­wür­dig eine große Pro­duk­ti­ons­an­la­ge. Als un­er­war­tet der Pos­ten des Lei­ters ei­nes der wich­tigs­ten Ge­schäfts­zwei­ge frei wur­de, lud der CEO Da­vid zu ei­nem Ge­spräch ein und er­öff­ne­te ihm, dass er für die­se Po­si­ti­on aus­ge­wählt wor­den sei. Schließ­lich habe er sich eine Be­för­de­rung ver­dient.
Plötz­li­che An­ge­bo­te die­ser Art be­kom­men er­folg­rei­che Men­schen im­mer wie­der. Trotz­dem traf es Da­vid so un­vor­be­rei­tet, dass er gar nicht wuss­te, was er dazu sa­gen soll­te. Das spür­te die Per­so­nal­lei­te­rin, die bei dem Ge­spräch eben­falls an­we­send war. Sie er­klär­te ihm dar­auf­hin, dass die­se Be­för­de­rung viel­leicht ein biss­chen frü­her kom­me als er­war­tet, aber sie habe Da­vids jet­zi­gen Chef nach sei­ner Ein­schät­zung ge­fragt, und der ste­he voll und ganz hin­ter dem An­ge­bot. Dies sei eine ein­ma­li­ge Chan­ce für Da­vid, und alle wünsch­ten ihm von gan­zem Her­zen Er­folg da­bei. Na­tür­lich wer­de man ihm ge­nü­gend Zeit las­sen, um alle not­wen­di­gen Vor­keh­run­gen zu tref­fen, setz­te die Per­so­nal­che­fin hin­zu, und das Un­ter­neh­men wol­le sei­ner Fa­mi­lie auch gern beim Um­zug be­hilf­lich sein: Denn der Stand­ort des Ge­schäfts­zweigs, den Da­vid künf­tig lei­ten soll­te, lag am an­de­ren Ende des Lan­des. Er sol­le sei­nen neu­en Pos­ten in vier Wo­chen an­tre­ten.
Nach­dem Da­vid ein paar Fra­gen ge­stellt und er­fah­ren hat­te, dass die­se Be­för­de­rung mit ei­ner groß­zü­gi­gen Ge­halts­er­hö­hung ein­her­ging, be­dank­te er sich herz­lich beim CEO und der Per­so­nal­che­fin und ver­sprach, noch an die­sem Abend mit sei­ner Frau dar­über zu spre­chen. „Na­tür­lich“, er­wi­der­ten sie lä­chelnd.
Doch als Da­vid ih­nen am nächs­ten Tag mit­teil­te, dass er das An­ge­bot lei­der ab­leh­nen müs­se, wa­ren sie ent­setzt. Das Un­ter­neh­men und sei­ne Kar­rie­re sei­en ihm sehr wich­tig, er­klär­te er; doch auch das be­ruf­li­che Vor­wärts­kom­men sei­ner Frau lie­ge ihm am Her­zen. Sie hat­te in ih­rer Fach­arz­t­aus­bil­dung als Chir­ur­gin noch ein schwie­ri­ges letz­tes Jahr vor sich, und ein Um­zug zu die­sem kri­ti­schen Zeit­punkt wür­de ih­rer Kar­rie­re scha­den. Da­vid schlug meh­re­re Al­ter­na­ti­ven vor: Viel­leicht könn­te er den Pos­ten ja zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt an­tre­ten, eine Zeit lang zwi­schen Wohn­sitz und Ar­beits­platz hin- und her­pen­deln oder von zu Hau­se aus ar­bei­ten? Doch der CEO lehn­te alle sei­ne Vor­schlä­ge ab. „Als Füh­rungs­kraft muss man prä­sent sein“, schnauz­te er ihn an.
So war ein freu­di­ger An­lass in­ner­halb von knapp 24 Stun­den zum Är­ger­nis ge­wor­den. Der CEO war ein­ge­schnappt. Schließ­lich hat­te der Kon­zern eine Men­ge Zeit und Geld in Da­vid in­ves­tiert – und nun, da es dar­auf an­kam, ließ die­ser es an En­ga­ge­ment feh­len. Wie konn­te er er­war­ten, vor­wärts­zu­kom­men, wenn er nicht ein­mal be­reit war, für eine Füh­rungs­po­si­ti­on einen Um­zug in Kauf zu neh­men? Auch die Per­so­nal­lei­te­rin war über Da­vids Re­ak­ti­on ir­ri­tiert und ver­är­gert. Schließ­lich hat­te sie vie­le Maß­nah­men zur Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie und groß­zü­gi­ge Mo­bi­li­täts­zu­la­gen ein­ge­führt, um Mit­ar­bei­tern wie Da­vid das Le­ben zu er­leich­tern. Der wie­der­um fühl­te sich in die Enge ge­trie­ben: Man hat­te ihn zur Un­zeit mit ei­nem of­fen­bar al­ter­na­tiv­lo­sen An­ge­bot kon­fron­tiert; und nun wur­de er be­straft, weil er es wag­te, dar­über zu ver­han­deln.
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