„Wenn Vorgesetzte Süssholz raspeln, werde ich nervös“

PSYCHOLOGIE:

HBM März 2016

Frau Fre­vert, Sie be­schäf­ti­gen sich seit Jah­ren mit der Ge­schich­te von Ge­füh­len. Ist die so ab­wechs­lungs­reich?
FRE­VERT Die Ge­schich­te der Emo­tio­nen ist so­gar aus­ge­spro­chen span­nend – und bis­lang kaum er­forscht. Wir wis­sen er­staun­lich we­nig dar­über, wie und was Men­schen frü­her ge­fühlt ha­ben und wa­rum sich das aus wel­chen Grün­den ge­än­dert hat. Neh­men Sie zum Bei­spiel das The­ma Angst: Die Men­schen vor hun­dert oder zwei­hun­dert Jah­ren ha­ben sich vor ganz an­de­ren Din­gen ge­fürch­tet als wir heu­te. Die Angst, le­ben­dig be­gra­ben zu wer­den, brach­te da­mals vie­le Leu­te um den Schlaf, wäh­rend wir uns jetzt eher vor ei­ner Kern­schmel­ze oder vor Selbst­mord­at­ten­tä­tern fürch­ten.
Aber nicht nur der Ge­gen­stand hat ge­wech­selt. Wir kön­nen auch da­von aus­ge­hen, dass sich Angst frü­her an­ders an­fühl­te als heu­te, dass sie an­de­res in den Men­schen aus­lös­te und zu an­de­ren Re­ak­tio­nen führ­te.

Was ver­steht die Wis­sen­schaft un­ter dem Be­griff Emo­ti­on?
FRE­VERT Lan­ge Zeit ging man da­von aus, dass Emo­ti­on das Ge­gen­teil von Ra­tio sei. Ge­fühl und Ver­nunft, so hieß es, sch­lös­sen sich ge­gen­sei­tig aus und hät­ten nichts mit­ein­an­der zu tun. Nicht zu­letzt neu­ro­wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chun­gen ha­ben die­se An­nah­me je­doch als My­thos ent­larvt. Das, was Men­schen füh­len und was sie ge­dank­lich durch­drin­gen, hat so­gar sehr viel mit­ein­an­der ge­mein. Häu­fig ist un­ser Ge­fühl der Haupt­aus­lö­ser da­für, ob wir et­was als wich­tig oder un­wich­tig, rich­tig oder falsch, gut oder böse, an­ge­mes­sen oder un­an­ge­mes­sen be­wer­ten.
Eine ein­deu­ti­ge De­fi­ni­ti­on des Be­griffs Emo­ti­on wer­den Sie üb­ri­gens ver­geb­lich su­chen. Das liegt auch dar­an, dass sich un­ter die­sem Sam­mel­be­griff sehr vie­le ver­schie­de­ne Phä­no­me­ne tum­meln: Af­fek­te, Lei­den­schaf­ten, Stim-mun­gen, Emp­fin­dun­gen und vie­le an­de­re Hand­lungs­im­pul­se. Die meis­ten Psy­cho­lo­gen stim­men aber in­zwi­schen dar­in über­ein, dass ein Ge­fühl­ser­leb­nis sich im­mer auch in un­se­rer Kör­per­wahr­neh­mung nie­der­schlägt. Scham, Ekel, Freu­de, Hass, Angst, Glück, Mit­leid, Är­ger, Lie­be, Neid – all das spielt sich in un­se­rem Kör­per min­des­tens ge­nau­so stark wie in un­se­rem Kopf ab.

Ge­füh­le wer­den in­di­vi­du­ell sehr un­ter­schied­lich wahr­ge­nom­men. Gibt es den­noch so et­was wie emo­tio­na­le Groß­wet­ter­la­gen?
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