Warum Berater so viel Arbeiten

Work-Life-Balance:

Heft 7/2019
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Kaum eine Branche scheint so resistent zu sein gegen eine bessere Work-Life-Balance wie Unternehmensberatungen. Obwohl Deloitte, BCG & Co. ihren Mitarbeitern mittlerweile flexible Arbeitsmodelle anbieten, werden diese kaum genutzt. Warum ist das so? Dieser Frage sind zwei Wissenschaftlerinnen aus Stanford und Singapur nachgegangen.

In Interviews mit 50 Beraterinnen und Beratern aus fünf renommierten Unternehmen fanden sie heraus, dass diese lieber frei darüber bestimmen möchten, wie sie ihre Work-Life-Balance gestalten, als sich in starre Arbeitszeitmodelle pressen zu lassen. Ihre größte Angst: das "Stigma der Flexibilität" - also dass jemand ihnen unterstellen könnte, sie engagierten sich nicht genug für ihre Arbeit.

Viele Consultants - Frauen wie Männer - konnten sich erst gar nicht vorstellen, dass sich ein Job in der Beraterbranche familienfreundlich gestalten lässt. Sie glorifizierten Überstunden und Überarbeitung als integralen Bestandteil ihres Berufs und waren stolz darauf, Konflikte zwischen Job und Privatleben ohne Hilfe ihres Arbeitgebers zu lösen.

Was können Unternehmen dagegen tun? Führungskräfte sollten überlegen, wie Erfolg bei ihnen definiert und gemessen wird. Statt abrechenbare Stunden als Kennzahl in der Mitarbeiterbewertung zu verwenden, sollten sie in erster Linie auf Arbeitsqualität, Kunden- und Teamzufriedenheit schauen. Statt Consultants ständig auf Reisen zu schicken, könnten sie Stellen stärker mit lokalem und regionalem Fokus besetzen.

Und sie sollten sich bewusst machen, inwiefern ihre eigenen Kommunikationsmuster dazu beitragen, dass Überstunden im Unternehmen als selbstverständlich und unvermeidbar gelten.

Quelle: Alison T. Wynn, Aliya Hamid Rao: "Failures of Flexibility: How Perceived Control Motivates the Individualization of Work-Life Conflict", Industrial and Labor Relations Review, April 2019.

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