Was KI mit der Menschheit macht

Buchtipp:

Von Britta Domke
Heft 6/2019

So schnell kann's gehen: Wenn der australische Professor Toby Walsh vor 20 Jahren erzählte, dass er über künstliche Intelligenz (KI) forscht, dann begann sein Gegenüber meist zu lachen und über die Einfältigkeit von Computern zu witzeln. Heute macht niemand mehr Witze.

Pessimisten glauben sogar, dass KI dereinst die Menschheit ausrotten könnte. Insofern hat Walsh den Titel seines Buchs bewusst provokant gewählt: "2062 - Das Jahr, in dem die künstliche Intelligenz uns ebenbürtig sein wird" bezieht sich aber nicht auf einen wissenschaftlich präzisen Zeitpunkt, sondern auf eine gemittelte Schätzung von 300 KI-Experten. Diese vermuten, dass es mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Jahr 2062 so weit sein könnte - zu 90 Prozent aber erst 2112. Da müssen Leser fast dankbar sein, dass Walsh seine Visionen vom Zusammenleben von Mensch und Maschine durch viel "möglicherweise", "könnte" und "vielleicht" entschärft.

Walsh selbst glaubt nicht an die Ausrottungstheorie - obwohl er 2015 mit anderen Robotikforschern in einem offenen Brief ein Verbot autonomer Waffen forderte. "Im Allgemeinen werden wir ein gutes Leben führen", beruhigt er seine Leser im Kapitel "Das Ende der Arbeit".

Entspannt zurücklehnen darf sich aber niemand, der dieses extrem beispielreiche Werk gelesen hat. Denn die größten Probleme, die uns KI in Zukunft bereiten wird, haben nichts mit um sich schießenden Drohnen zu tun, sondern mit dem Verlust menschlicher Werte, zunehmender Ungleichheit und dem Ende der Privatsphäre. Wie die Menschheit mit diesen Gefahren umgeht, so Walshs Fazit, wird entscheidend sein für die Qualität künftiger Gesellschaften.

Diese und weitere Leseempfehlungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Buchtipp

Toby Walsh
2062. Das Jahr, in dem die künstliche Intelligenz uns ebenbürtig sein wird
Riva Verlag 2019, 336 Seiten, 22 Euro

Ausgabe 6/2019


Die Wahrheit über Innovation

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