"Wer zu lange wartet, ist weg vom Markt"

Interview:

Interview von Arne Storn
Heft 9/2019
Professor Timo Busch
Roman Pawlowski für Harvard Business Manager

Professor Timo Busch

Deutschland diskutiert über "Fridays for Future", zu heiße Sommer und eine CO2-Steuer. Der Druck auf die Wirtschaft steigt - zu Recht?

Busch: Zunächst einmal freut es mich, dass der Klimawandel mit Greta Thunberg ein Gesicht bekommen hat. Jemandem, der sagt: Leute, wir müssen da was tun. Auf einmal reden wir nicht mehr über den Eisbären in der Arktis, auf einmal ist es unsere Jugend, die unsere Sensibilität für den Klimawandel deutlich erhöht. Ob man allerdings schon von Druck sprechen kann, weiß ich nicht.

Aber Parteien, Bürger und Medien debattieren über den Kampf gegen den Klimawandel.

Busch: Wenn wir über Unternehmen sprechen, gibt es noch immer viel zu wenig Druck. Der Gesetzgeber plant alles Mögliche, geht aber nichts so radikal an, wie es nötig wäre, um die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen. Und die meisten Bürger fliegen lieber weiter günstig nach Mallorca, als ihr Verhalten zu ändern. Wenn wir überhaupt von Druck sprechen können, dann kommt er von den Finanzmärkten.

Wieso ausgerechnet von dort?

Busch: Ich nehme bei Investoren gerade sehr viel Bewegung wahr. Anfang 2018 hat die Europäische Kommission einen Aktionsplan für nachhaltiges Wachstum verabschiedet, der sich vor allem an die Finanzmärkte richtet und zum Ziel hat, dass mehr privates Geld nachhaltig investiert wird. Da geht es um die Frage, was überhaupt nachhaltige Investments sind, welche Labels es gibt und worauf bei der Beratung von Anlegern zu achten ist. Diese Debatte wird von der Politik gerade massiv geprägt. Die großen Investoren und Bankhäuser registrieren das sehr wohl. Und weil zugleich die Nachfrage der Anleger zunimmt, fragen sie Unternehmen immer häufiger: Was macht ihr beim Thema CO2, wie reduziert ihr eure Emissionen?

Aber eher als Frage Nummer 7 statt als Frage Nummer 2, oder?

Busch: Es gibt in der Tat weiter eine Lücke zwischen Wissen und Handeln. Zusammen mit Kollegen habe ich 2015 mehr als 2200 Studien zum Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und finanziellem Erfolg ausgewertet, und unser Ergebnis war eindeutig: Rund 50 Prozent aller Studien sehen einen positiven Zusammenhang, etwa 40 Prozent sehen keinen - und weniger als 10 Prozent sehen einen negativen Zusammenhang. Als ich dieses Jahr eine Untersuchung zum Schweizer Finanzmarkt durchgeführt habe, musste ich trotzdem wieder feststellen, dass die Sorge unter Investoren, Investitionen in nachhaltige Unternehmen könnten mit niedrigeren Renditen einhergehen, weiter ganz oben rangiert. Zwischen dem, was die Wissenschaft sagt, und dem, was der Markt glaubt, liegen immer noch Welten. Ich hoffe, dass mehr und mehr Investoren erkennen, dass Nachhaltigkeit sich rechnet, ja Risiken reduziert.

Sehen Sie ein Momentum, dass Nachhaltigkeit die Nische verlässt?

Busch: Schaut man sich die Statistiken, die enorm steigenden Summen an: Ja, das Momentum ist da. In Deutschland hat der Markt für nachhaltige Geldanlagen 2018 um 28 Prozent auf nun 219 Milliarden Euro zugelegt; in der Schweiz lag das Wachstum im gleichen Zeitraum sogar bei über 80 Prozent. Viele Investoren haben verstanden, dass sie um dieses Thema nicht mehr herumkommen. Würde die Politik heute sagen: "So sieht unser Fahrplan für eine CO2-Besteuerung aus, und daran halten wir fest", würden die Investoren morgen damit anfangen, den Cashflow aller Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, mit genau diesen Preisen durchzurechnen. Und selbst wenn der Preis erst 2030 voll zu Buche schlagen würde, wüssten die Analysten bereits jetzt, wer zu den Gewinnern und Verlierern gehört. Unternehmen, die aktuell wenig zukunftsfähig aufgestellt sind, würden Probleme kriegen. Doch bis dato war die Politik nicht bereit, den Hebel des Finanzmarkts zu nutzen und in dieser Frage Sicherheit zu schaffen. Hier bin ich auf die weiteren Entwicklungen sehr gespannt - Frau Merkel hat ja gerade konkrete Vorschläge hierzu bekommen.

Wenn Sie Analyst wären und an 2030 denken: Auf welche Branchen würden Sie setzen?

Busch: Zu den Zukunftstechnologien gehören für mich ganz klar die erneuerbaren Energien und die Entwicklung von Batterien oder Stromspeichern. Gleiches gilt für Wasser: Wir werden aufgrund der Erderwärmung massive Wasserprobleme bekommen, in Teilen Europas, in Afrika und in anderen Ländern, sodass alle innovativen Technologien zur Gewinnung von Trinkwasser gebraucht werden.

In einer Studie kamen Sie 2016 zu dem Schluss: Müssten Unternehmen ihre CO2-Kosten berücksichtigen, hätte dies "teilweise dramatische Auswirkungen". Von welchen Konzernen würden Sie die Finger lassen?

Busch: ...

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuelle Ausgabe des Harvard Business Manager.

Ausgabe 9/2019


Wie grün ist Ihr Unternehmen?

Kunden fordern Nachhaltigkeit, Investoren machen Druck, die Politik reguliert - was Manager jetzt tun müssen

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