"Wir haben geliefert"

CEO-Gespräch:

Mit Rolf Martin Schmitz sprachen Michael O. R. Kröher und Christina Kestel
Heft 8/2019
Daniel Hofer/laif

Auf den Ausstieg aus der Atomenergie, den die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 beschlossen hatte, reagierte das RWE-Management mit einem Umbau der Konzernstruktur: Der Bereich der erneuerbaren Energien und der Betrieb der Stromnetze wurden im Jahr 2016 ausgegliedert in die Innogy SE, die unter Führung des ehemaligen RWE-Chefs Peter Terium selbst an die Börse ging. RWE hielt weiter 76,8 Prozent der Innogy-Anteile, hatte auf diese reine Finanzbeteiligung jedoch keinen operativen Einfluss.

Unter dem Eindruck der Energiewende - RWE betreibt selbst Braunkohleabbau im großen Stil, noch zwei Atomkraftwerksblöcke sowie Kohle- und Gaskraftwerke - sah sich der neue RWE-Vorstand unter Führung von Rolf Martin Schmitz im Jahr 2018 zu einer weiteren Umstrukturierung veranlasst: Von der Innogy sowie vom Wettbewerber Eon wurden die Bereiche für erneuerbare Energien übernommen, RWE hält künftig 16,7 Prozent der Eon-Aktien. Dafür übernimmt Eon die übrigen Geschäftsbereiche der Innogy, also hauptsächlich die Stromnetze. RWE sieht sich künftig als Energieversorger, der seinen Strom vornehmlich aus Windkraft, Photovoltaik und anderen erneuerbaren Energien herstellt. Noch steht eine endgültige Zustimmung der Kartellbehörden zu dieser Umgestaltung der europäischen Energieversorgung aus.

Profil
  • Der Manager
    Rolf Martin Schmitz ist seit Herbst 2016 Vorstandsvorsitzender der RWE AG. Zuvor war er vier Jahre lang Stellvertreter des früheren RWEChefs Peter Terium, der dann als CEO zu der Ausgründung Innogy wechselte. Weitere Stationen des studierten Ingenieurs Schmitz waren Versorgungsunternehmen wie RheinEnergie, Steag, Veba oder die Thüga; bei Eon Kraftwerke war er zwei Jahre Vorsitzender der Geschäftsführung.

Herr Schmitz, Sie bauen den RWE-Konzern massiv um. Hierfür integrieren Sie wieder Unternehmensteile, die erst im Jahr 2016 abgespalten worden waren. Gerät ein Konzern Ihrer Größe und Tradition bei so einem tief greifenden Wandel nicht aus der Spur?

Schmitz: Wir krempeln ja nicht alles um. Mit dem Börsengang von Innogy haben wir uns von Netzen und Vertrieb getrennt und uns auf die Stromproduktion konzentriert. Was Sie als neue Strategie skizzieren, das basiert auf einer sorgfältigen Analyse potenzieller Entwicklungsfelder. Ergebnis dieser Untersuchung war: Das Zentrum unserer künftigen Geschäftstätigkeit wird die Stromproduktion sein - dazu gehören natürlich die erneuerbaren Energien.

Durch den umfassenden Deal aus dem Frühjahr 2018 mit Ihrem nächsten Wettbewerber, dem Eon-Konzern, soll sich die Situation grundlegend ändern. Haben Sie dafür die richtigen Ressourcen, die richtigen Mitarbeiter?

Schmitz: Hier hilft uns unsere bewährte dezentrale Struktur: Am Standort Essen koordiniert eine schlanke Holding die Geschäfte der einzelnen Bereiche. Diese Holding führen wir mit nur zwei Vorständen. Darunter haben wir die verschiedenen Geschäftsbereiche organisiert (siehe Grafik "Die Transformation" rechts), die operativ eigenständig arbeiten. Jeder Bereich kann und soll seine eigene Kultur behalten und entwickeln. Aber alle Einheiten sind verbunden durch gemeinsame Werte - Passion, Performance, Trust.

Früher, so ein Spruch, stand der Unternehmensname RWE für Ruhe, Wohlstand, Erholung der Beschäftigten. Nach dem Atomausstieg und angesichts der Herausforderungen durch die Energiewende, nach der strategischen Neuaufstellung und Umstrukturierung kann davon nicht mehr die Rede sein. Wofür steht RWE heute und künftig?

Schmitz: Unserer gesamten Unternehmensführung war bewusst, dass wir nach der Abtrennung von Innogy und deren Börsengang im Jahr 2016 die Dinge neu regeln mussten. RWE steht seitdem für "Zukunft. Sicher. Machen". Diesen Claim erweitern wir jetzt dahingehend, dass wir nun möglichst viel CO2-freien Strom erzeugen und unseren Kunden die dafür nötige Versorgungssicherheit bieten wollen, indem wir unseren großen Kraftwerkspark mit den dafür erforderlichen Technologien um erneuerbare Energien wie Windkraft, Photovoltaik und Batterie- und Speichertechnologien ausbauen.

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© Harvard Business Manager 8/2019
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