Lieber einen Roboter als Nachfolger

Künstliche Intelligenz:

Heft 10/2019
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Dass viele Jobs in den kommenden Jahren durch Roboter oder Software ersetzt werden, ist weithin bekannt. Doch nur wenige Studien haben sich bislang damit auseinandergesetzt, wie die betroffenen Mitarbeiter darauf reagieren.

Eine Studie von Marketingexperten der Technischen Universität München (TUM) und der Erasmus-Universität Rotterdam hat nun Erstaunliches ans Licht gebracht: Zwar fänden es die meisten Menschen besser, wenn gekündigte Arbeitnehmer durch andere menschliche Arbeitnehmer ersetzt werden. Geht es aber um ihren eigenen Job, dann gönnen sie eher einem Roboter ihren Arbeitsplatz als einem Kollegen. Für ihre Studie führten die Forscher elf größtenteils experimentelle Untersuchungen mit mehr als 2000 Menschen in Europa und Nordamerika durch. So gaben sie einer Probandengruppe das Szenario eines kriselnden Unternehmens zu lesen.

Als neutrale Beobachter sollten die Teilnehmer entscheiden, ob sie einige Mitarbeiter eher durch neue Arbeitnehmer ersetzen würden oder durch Roboter. Eine andere Gruppe bekam das gleiche Szenario zu lesen - mit einem Unterschied: statt "ein Unternehmen" lasen sie "Ihr Unternehmen"; statt "bestehende Arbeitnehmer werden ersetzt" hieß es "Sie werden ersetzt".

Der Effekt war deutlich: Als neutrale Beobachter hatten noch 67 Prozent angegeben, sie würden Mitarbeiter eher durch andere Menschen ersetzen. Waren sie jedoch persönlich betroffen - der eigene Job in Gefahr -, so wünschten sich nur noch 40 Prozent einen menschlichen Nachfolger. Dennoch sahen dieselben Menschen auf längere Sicht Maschinen als größere Gefahr für ihre eigene berufliche Zukunft.

Was steckt dahinter? Wie die Forscher herausfanden, hat der Effekt etwas mit unserem Selbstwertgefühl zu tun: Wir vergleichen uns nicht so sehr mit Maschinen, sondern mit realen Menschen. Deshalb kratzt es weniger an unserem Selbstwertgefühl, wenn wir durch einen Roboter oder eine Software ersetzt werden.

Die Erkenntnisse könnten helfen, Programme für Arbeitslose zu verbessern, sagt Studienautor Christoph Fuchs von der TUM School of Management. "Haben Menschen ihren Job an einen Roboter verloren, ist es weniger nötig, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Wichtiger ist es dann, ihnen neue Kompetenzen zu vermitteln, die ihnen die Angst nehmen, Robotern langfristig unterlegen zu sein."

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Ausgabe 10/2019


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