Eine zentrale Stelle für Bewerber

Recruiting:

Aufgezeichnet von Christina Kestel
Heft 8/2019
John Kuczala

Wir haben uns bei deutschen Unternehmen umgehört, mit welchen neuen Ansätzen sie Mitarbeiter finden. Thymian Bussemer, Leiter HR Strategie & Innovation, Volkswagen:

"Volkswagen hat sich in der Organisation seiner Personalarbeit lange an mittelständischen Unternehmen orientiert. Dezentrale Personalabteilungen mit einer Zuständigkeit für jeweils rund 300 Mitarbeiter sollten möglichst vollumfänglich alle anfallenden Aufgaben autonom erledigen. Auch das Recruiting war dezentral organisiert und damit eine Aufgabe, die von den Personalreferenten neben vielen anderen Themen mitgeleistet wurde.

Dies hat in der Vergangenheit lange gut funktioniert, weil das Unternehmen eher klassische Ingenieursprofile suchte, die gern bei einem großen und erfolgreichen Automobilhersteller arbeiten wollten. Doch mittlerweile hat sich die Situation auf den Talentmärkten geändert. Jetzt müssen wir aktiv darum werben, die besten Mitarbeiter für uns zu gewinnen. Hinzu kommt: Wir müssen auf einem Bewerbermarkt für Talente attraktiv sein, die uns bisher noch gar nicht als potenziellen Arbeitgeber gesehen haben: die hart umkämpften IT- und Digitalexperten.

Für diese neuen Zielgruppen reicht die Strategie "Post & Pray" nicht mehr aus. Wir müssen viel aktiver auf potenzielle Bewerber zugehen, verstehen, wo sich die Zielgruppe bewegt, wie man sie anspricht und womit man sie begeistern kann.

Zu Beginn des Jahres 2019 haben wir deshalb ein zentrales Recruiting-Center für Volkswagen gegründet, das in den ebenfalls neuen Bereich Recruiting & Talent-Marketing integriert ist. Dort werden künftig alle Vorgänge rund um das Gewinnen und Einstellen neuer Bewerber zentral koordiniert - von allgemeinen Marketingmaßnahmen bis zur individuellen Vertragserstellung. Durch eine positive Bewerbererfahrung und eine aktive Ansprache der Talente wollen wir potenzielle Mitarbeiter in Zukunft von unserem Unternehmen überzeugen. Mit einer neuen Personalmarketingkampagne haben wir bereits sichtbare Zeichen gesetzt: durch eine ganz neue Tonalität auf Augenhöhe, einen etwas ironischen Blick auf uns selbst, vor allem aber durch mehr Kompetenz gegenüber unseren Fachbereichen, wenn es um die Kenntnis spezifischer Talentmärkte geht. Ein Motiv unserer aktuellen Kampagne lautet: "Stellt Volkswagen auch Leute ein, die Autos abschaffen wollen?" Und die Antwort ist: natürlich!

Wir erklären damit, dass wir kein reiner Autobauer mehr sind und "Benzin im Blut" nicht mehr der einzig wichtige Faktor für eine Einstellung. Wir nehmen eben auch Softwaretüftler, Collaboration-Experten und Cloudspezialisten. Die Abkehr vom klassischen Ingenieur als alleinige Zielgruppe eröffnet den Raum für ganz neue Kandidatenprofile."

Weitere Artikel unseres Schwerpunkts Recruiting finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Thymian Bussemer
    Thymian Bussemer, Leiter HR Strategie & Innovation, Volkswagen, Vizepräsident BPM
Ausgabe 8/2019


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