Warum Rankings schaden

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Heft 3/2020
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In vielen Unternehmen ist es üblich, Mitarbeiter mittels Ranglisten zu bewerten. Diese Praxis hat einen großen Nachteil: Sie kann Mitarbeiter davon abhalten, mit ihren Kollegen zu kooperieren, um nicht selbst im Ranking abzurutschen. Ein Beispiel wäre ein Vertriebsteam, das davon profitiert, sich gemeinsam um potenzielle Kunden zu kümmern, dessen Mitglieder allerdings nach ihrer individuellen Produktivität bewertet und honoriert werden.

Eine neue Studie dokumentiert diesen Effekt und schlägt ein Gegenmittel vor: Wer sein Team darüber informiert, wie stark die einzelnen Mitglieder einander helfen, kann die gute Zusammenarbeit aufrechterhalten. Dazu rekrutierten die Forscher 592 Probanden für ein Entscheidungsspiel. Die Teilnehmer konnten über mehrere Runden Punkte an Mitspieler weitergeben.

Als Rankings eingeführt wurden und zeigten, wie viele Punkte jeder besaß, nahmen die Punktetransfers stark ab. Beinhaltete das Ranking jedoch Informationen darüber, wie oft Einzelne ihre Punkte mit anderen geteilt hatten, nahm die Kooperation zu und erreichte schließlich wieder das vorherige Niveau.

Die Forscher führen das darauf zurück, dass die Probanden mehr soziale Gleichheit erreichen wollten. "Wenn Manager eine Kultur der gegenseitigen Hilfe entwickeln wollen, ... müssen sie auf die potenziell Unruhe stiftenden Effekte von Performancerankings achten", schreiben die Wissenschaftler. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Manager eine gute Zusammenarbeit aufrechterhalten oder wiederherstellen können, ohne das grundlegende Leistungsbeurteilungssystem zu ändern. Dafür müssen sie die prosozialen Handlungen der Mitarbeiter öffentlich machen und belohnen."

Das könnte über Bonussysteme funktionieren, bei denen die Mitarbeiter einander bewerten; über Auszeichnungen für guten Service und weitere Anerkennungen für Mitarbeiter, die sich bemühen, anderen zu helfen; sowie über Leistungsbeurteilungen, die ausdrücklich die gute Zusammenarbeit im Team berücksichtigen.

Weitere Meldungen zu aktuellen Studien und Trends finden Sie in der neuen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Ausgabe 3/2020


Der Trick mit den Daten

Wann Kundendaten Unternehmen echten Wettbewerbsvorteil bringen und wann nicht

Quelle: Cassandra R. Chambers, Wayne E. Baker: "Robust Systems of Cooperation in the Presence of Rankings", Organization Science, März 2019

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