Mitarbeiter gesucht

Personal:

Von Julia Wehmeier
Heft 11/2019
Getty Images

Qualifizierte Mitarbeiter können sich in vielen Branchen mittlerweile aussuchen, für welches Unternehmen sie arbeiten. Für Personalmanager bedeutet das, dass sie mehr aufwenden müssen, um neues Personal zu finden und gut ausgebildete Kollegen langfristig zu halten. Viele setzen neue, kostspielige Rekrutierungsprogramme auf, investieren in die Personalsuche und präsentieren sich als innovative Arbeitgeber. Die eigenen Führungskräfte zeigen sich von den Bemühungen allerdings wenig beeindruckt.

In einer aktuellen Untersuchung der Personalberatung Hays gaben drei Viertel der befragten Führungskräfte an, dass ihr Unternehmen beim Thema Personalsuche nicht gut aufgestellt sei. Befragt wurden 1000 Führungskräfte aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern, darunter Abteilungsleiter, Bereichsleiter und Teamleiter.

Sie schieben die Verantwortung für fehlendes Fachpersonal ein Stück weit von sich weg und hin zu anderen Akteuren, etwa dem deutschen Bildungssektor, den jeder zweite Befragte als zentrale Ursache sieht. Dass fehlende Fachkräfte eine kritische Herausforderung für die Wirtschaft und ein strukturelles Problem sind, bestreitet nur eine Minderheit; die Auswirkungen beobachten die Befragten in ihrem Fachbereich: Stellen bleiben länger frei, können nicht optimal besetzt werden, und die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter steigt.

Fehlende Flexibilität

Die Auslöser des Fachkräftemangels sehen die Manager beim demografischen Wandel, der Globalisierung, bei technologischen Entwicklungen und einem trägen Bildungssystem in Deutschland. "Viele Unternehmen sind sich der eigenen Verantwortung nicht bewusst", schreiben die Autoren der Studie. Schließlich seien besonders der demografische Wandel mit älter werdenden Mitarbeitern und auch der technologische Wandel mit neuen digitalen Herausforderungen keine überraschenden Trends, sondern tatsächlich schon längerfristig vorhersehbar gewesen.

Zwei Drittel der Befragten verneinen, dass Unternehmen Nachholbedarf beim Thema Flexibilität haben oder auf andere Weise selbst mitverantwortlich für fehlendes Fachpersonal sind. Vom Bildungssystem fordern sie einen stärkeren Fokus auf praktische Fertigkeiten, auf Team- und Projektarbeit sowie auf IT-Fachkompetenz.

Die Studie hat sieben zentrale Handlungsfelder untersucht, in denen Unternehmen es selbst in der Hand haben, dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen: Attraktivität als Arbeitgeber, Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter, Rekrutierung und Nachwuchsförderung, strategische Planung des Personalbedarfs, Automatisierung und Digitalisierung, Outsourcing und flexible Beschäftigung, Geschäftsausrichtung und Standortpolitik.

Den größten Handlungsbedarf sehen Führungskräfte bei der Arbeitgeberattraktivität. Was verstehen sie darunter? Zu 56 Prozent eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter, gefolgt von mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten sowie die Schaffung einer modernen Unternehmenskultur, die Selbstorganisation und Agilität unterstützt. Auch der Aufbau einer besseren Infrastruktur, technisch und räumlich, sei wichtig.

Zu starre Weiterbildung

Beim Thema Kompetenzerwerb der eigenen Mitarbeiter sind die Führungskräfte ebenfalls skeptisch. Zwar finden sie es wichtig, dass Mitarbeiter regelmäßig und intensiv neue Fähigkeiten erlernen, sehen bei firmeneigenen Lernprogrammen aber noch viel Luft nach oben. Die Mehrheit der Unternehmen setzt auf klassische Weiterbildungsangebote und scheut sich davor, neue Methoden auszuprobieren. Die Autoren bemängeln, dass zu selten kreative Möglichkeiten gesucht werden, wie die Förderung von Vernetzung und Austausch oder die Bereitstellung eines Lernbudgets.

Sie schlussfolgern: "Larmoyanz, gepaart mit Schuldzuweisungen an das träge Bildungssystem, hilft Unternehmen nicht weiter." Gefragt sei vor allem eine neue Grundhaltung, die das veränderte Kräfteverhältnis auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt und beim Thema Rekrutierung neue Wege geht. Dazu gehört auch, den Personalbedarf strategischer zu planen und Mitarbeiter flexibler einzusetzen.

Lesen Sie zur Hays-Studie auch das Interview mit Gunther Olesch, Geschäftsführer Personal von Phoenix Contact.

Ausgabe 11/2019


Die Marvel-Methode

Wissenschaftler entschlüsseln das Innovationsgeheimnis des erfolgreichsten Filmstudios der Welt

Julia Wehmeier
  • Copyright:
    Julia Wehmeier ist Redakteurin beim Harvard Business Manager.
Artikel
© Harvard Business Manager 11/2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Die neuesten Blogs
Nach oben