Wie gelingt der Ausstieg?

Fallstudie:

Von David R. Dixon
Heft 3/2019
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Fallstudie
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    Im Jahr 1920 führte die Harvard Business School die Case-Study-Methode ein. Dabei beschäftigen sich die Studenten mit konkreten Problemen aus dem Alltag von Unternehmen. Fallstudien gehören heute weltweit zum Standard in der Managerausbildung. In jedem Heft präsentieren wir unseren Lesern einen fiktionalisierten Fall und Lösungsvorschläge von Experten.

Zzzzzz. Zzzzzz. Zzzzzz ... Seufzend warf Elena Pelc, die auf einer Bank im Hundepark saß, einen Blick auf ihr Handy. Eigentlich hatte sie gehofft, an diesem Vormittag nicht arbeiten zu müssen, doch als Gründerin und CEO von 2 Proud Pups, einem Hersteller natürlicher Hundepflegeprodukte, hatte sie nicht viel Freizeit. Sie beschloss, die E-Mail noch ein paar Minuten lang zu ignorieren. Schließlich befand sie sich gerade auf einem ihrer seltenen Spaziergänge mit ihren Hunden, und den wollte sie genießen.

Ihr blonder Labrador Maggie wälzte sich auf dem Boden. Der schwarze Schäferhund-Husky-Mischling Brokkoli beschnupperte gerade ein paar andere Hunde. Pelc lächelte - die beiden waren ihre Babys, die sie kurz nach ihrer Hochzeit mit Matthias adoptiert hatte. Das dritte Baby war ihr Unternehmen, das sie gegründet hatte, als die beiden Hunde ein Jahr alt waren. Damals gab es keine qualitativ hochwertigen Shampoos für Hunde.

Die auf dem Markt erhältlichen Produkte priesen ihre Reinigungskraft zwar in höchsten Tönen an; doch die Listen der Inhaltsstoffe waren lang und voll von Chemikalien mit hässlichen Namen, die die Haut der Hunde reizten. Daher hatte Pelc für viel Geld einen Chemiker engagiert, um ein besseres Produkt zu entwickeln. Die ersten Chargen ihres Hundeshampoos hatten die beiden in ihrer Küche zusammengemixt, und Pelc hatte sie zunächst an sich selbst ausprobiert.

Danach hatte sie begonnen, Einzelhändler in ihrer Region mit dem Shampoo zu beliefern, und sich einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Im Lauf der folgenden sechs Jahre hatte Pelc einige Mitarbeiter engagiert und noch weitere natürliche Hundepflegeprodukte (beispielsweise einen Conditioner und eine Zahnpasta) kreiert. Mittlerweile wurden ihre Produkte von mehr als 1000 unabhängigen Tierhandlungen überall in den USA geführt und auch in ein paar regionalen Tierfachhandelsketten.

Elena Pelc hatte ihr Unternehmen ohne externe Investoren auf diesen Wachstumskurs gebracht - nur mithilfe von Bankdarlehen und eigenen Ersparnissen. Doch nun, so schien es, stand sie an einem Scheideweg. Obwohl ihre Produkte sich gut verkauften, stagnierten die Jahresumsätze schon seit einiger Zeit bei ungefähr einer Million Dollar. Pelc hatte nicht das Gefühl, mit ihrem Unternehmen weiter voranzukommen - und außerdem erwartete sie ein Kind. Sie war im siebten Monat schwanger, hatte jahrelang rund um die Uhr gearbeitet, und allmählich verließen sie die Kräfte. Pelc wollte - und brauchte - eine Veränderung. Sie war bereit, ihren Posten als CEO aufzugeben und ihr Unternehmen vielleicht sogar zu verkaufen. Doch nach monatelangen Recherchen und etlichen Gesprächen hatte sie immer noch nicht den richtigen Nachfolge-CEO oder Käufer für ihr Unternehmen gefunden.

Zzzzzz. Wieder warf Pelc einen Blick auf ihr Handy: Inzwischen waren drei weitere Mails und eine SMS gekommen. Es war höchste Zeit, wieder ins Büro zu fahren. Langsam erhob sie sich und pfiff nach ihren Hunden. "Brokkoli! Maggie! Los geht's!"

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