Frauen im Vorstand mäßigen den CEO

Diversity:

Heft 3/2020
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Wenn Frauen im Vorstand sitzen, trifft das Topmanagement bessere Entscheidungen über Akquisitionen und Investitionen und geht weniger Risiken ein - das ist durch zahlreiche Forschungen belegt. Eine neue Studie zeigt nun, welcher Mechanismus dahinterstecken könnte - nämlich dass Frauen im Board das übermäßige Selbstbewusstsein männlicher CEOs zügeln.

Die Forscher analysierten Daten von 1629 US-Unternehmen und deren CEOs aus den Jahren 1998 bis 2013. Als Indikator für übersteigertes Selbstbewusstsein der Firmenchefs untersuchten sie, ob diese Aktienoptionen gehalten hatten, obwohl es hohe Gewinne gebracht hätte, sie auszuüben.

Die Daten zeigten, dass männliche CEOs, in deren Boards auch Frauen saßen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit als andere männliche CEOs an sogenannten Deep-in-the-Money-Aktienoptionen festhielten, deren Ausübung zu hohen Gewinnen führen würde. (Bei weiblichen CEOs zeigte sich dieser Effekt nicht.) Dies deutet nach Ansicht der Forscher auf die unrealistische Überzeugung hin, der Preis könnte noch höher steigen.

Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass Frauen im Vorstand mangels Zugang zu "Old Boys"-Netzwerken oft weniger konformistisch auftreten als ihre männlichen Kollegen. Daher trauten sie sich eher, den CEO zu kritisieren und übermäßigem Selbstbewusstsein Einhalt zu gebieten.

Als Nächstes schauten sich die Wissenschaftler an, wie Unternehmen in ihrer Stichprobe abschnitten. In Branchen mit vielen sehr selbstsicheren CEOs (unter anderem in der Pharma- und Softwarebranche sowie dem Bauwesen) korrelierte die Anwesenheit von mindestens einer Frau im Board mit weniger aggressiven Investmentstrategien, besseren Akquisitionsentscheidungen und Finanzergebnissen.

Schließlich untersuchten die Forscher eine Teilmenge der Unternehmen während der Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009. Dabei zeigte sich, dass Firmen mit Frauen im Board geringere Verluste bei Unternehmenswert und Eigenkapitalrendite hinnehmen mussten. Der Grund: Ihre CEOs verfolgten seltener aggressive oder riskante Strategien.

"Die Anwesenheit von Frauen im Board ist in einigen Branchen wichtiger als in anderen", schlussfolgern die Wissenschaftler. Zudem schnitten in Krisenzeiten "Unternehmen, die keinen (ausreichenden) Frauenanteil im Board haben, deutlich schlechter ab als andere".

Weitere Meldungen zu neuen Studien und Trends finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Ausgabe 3/2020


Der Trick mit den Daten

Wann Kundendaten Unternehmen echten Wettbewerbsvorteil bringen und wann nicht

Quelle: Jie Chen et al.: "Why Female Board Representation Matters. The Role of Female Directors in Reducing Male CEO Overconfidence", Journal of Empirical Finance, September 2019

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