Mitfühlend führen

Leadership:

Von Dalai Lama und Rasmus Hougaard
Heft 5/2019
Raghu Rai / Magnum Photos / Agentur Focus

In den vergangenen fast 60 Jahren habe ich mit vielen Regierungschefs, Unternehmen und anderen Organisationen zusammengearbeitet und dabei beobachtet, wie sich unsere Gesellschaften entwickelt und verändert haben. Ich freue mich, einige meiner Beobachtungen mitzuteilen - vielleicht können andere von dem, was ich gelernt habe, profitieren.

Führungskräfte, egal in welchem Bereich sie arbeiten, haben einen starken Einfluss auf das Leben der Menschen und die Entwicklung der Welt. Wir sollten uns daran erinnern, dass wir Besucher auf diesem Planeten sind. Wir sind hier für höchstens 90 oder 100 Jahre. Während dieser Zeit sollten wir daran arbeiten, die Welt besser zu machen.

Wie könnte eine bessere Welt aussehen? Ich glaube, die Antwort ist einfach: Eine bessere Welt ist eine Welt, in der die Menschen glücklicher sind. Warum? Weil alle Menschen glücklich sein wollen und niemand leiden will. Unser Wunsch nach Glück ist etwas, das wir alle gemeinsam haben.

Doch heutzutage scheint die Welt in einer emotionalen Krise zu sein. Stress, Angst und Depressionen nehmen immer mehr zu. Die Kluft zwischen Arm und Reich sowie zwischen CEOs und Mitarbeitern ist auf einem historischen Höchststand. Und der Fokus auf die Gewinnerzielung setzt oft das Engagement für Mensch, Umwelt oder Gesellschaft außer Kraft.

Wir neigen dazu, uns gegenseitig als getrennte Gruppen - "wir" und "die anderen" - zu betrachten, doch das ist nichts anderes als ein Ergebnis der Unwissenheit über unsere gegenseitige Abhängigkeit. Als Teilnehmer derselben Weltwirtschaft sind wir voneinander abhängig, Veränderungen des Klimas und der globalen Umwelt betreffen uns alle. Außerdem sind wir Menschen körperlich, geistig und emotional gleich.

Schauen Sie sich die Bienen an. Sie haben keine Verfassung, Polizei oder gar moralische Ausbildung - sie arbeiten zusammen, um zu überleben. Auch wenn sie sich gelegentlich streiten, überlebt die Kolonie auf der Grundlage der Kooperation. Menschen hingegen haben Verfassungen, komplexe Rechtssysteme und Polizeikräfte.

Wir verfügen über eine bemerkenswerte Intelligenz und eine große Fähigkeit zu Liebe und Zuneigung. Doch trotz unserer vielen außergewöhnlichen Qualitäten scheinen wir weniger in der Lage zu sein, gut zusammenzuarbeiten.

In Unternehmen arbeiten Menschen jeden Tag eng zusammen. Aber trotzdem fühlen sich viele einsam und gestresst. Auch wenn wir soziale Wesen sind, fehlt es an Verantwortung füreinander. Wir müssen uns fragen, was los ist.

Ich glaube, dass unser starker Fokus auf die materielle Entwicklung und die Anhäufung von Reichtum dazu geführt hat, dass wir unser menschliches Grundbedürfnis nach Freundlichkeit und Fürsorge vernachlässigt haben.

Es ist von grundlegender Bedeutung für Gesellschaften, Organisationen und Individuen, dass sowohl das Engagement für die Einheit Menschheit wiederauflebt als auch der Altruismus gegenüber unseren Brüdern und Schwestern erneuert wird. Nur so können wir langfristig erfolgreich sein. Jeder von uns steht in der Verantwortung, dies zu verwirklichen. (..)


Den vollständigen Artikel lesen Sie im aktuellen Harvard Business Manager.

Ausgabe 5/2019


Warum Feedback scheitert

Mit Kritik führen Sie Ihre Mitarbeiter nicht zu Spitzenleistungen. Was wirklich funktioniert.

Die Autoren
    Der Dalai Lama ist der spirituelle Führer der Tibeter. 1989 bekam er den Friedensnobelpreis.
  • Rasmus Hougaard ist Gründer und Managing Director der Leadership-Beratung Potential Project. Er ist ferner Koautor des Buches "The Mind of the Leader: How to Lead Yourself, Your People, and Your Organization for Extraordinary Results".
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