Harte Kost für Optimierer

Buchtipp:

Von Christina Kestel
Heft 4/2020

Vordenker, Mahner, Systemkritiker, Provokateur - Gunter Dueck, einst Mathematikprofessor und Cheftechnologe bei IBM, wird gern mit einem Label versehen. So ist Dueck im Laufe der Jahre zu einer gefragten Marke geworden (@wilddueck).

Wer seine zahlreichen Bücher liest oder seinen Keynotes lauscht, weiß, was er erwarten kann: ein Störfeuer vom Feinsten. Seien es Themen wie Wissensgesellschaft, KI, Innovationen, Bildungssystem oder Schwarmintelligenz - Dueck prüft alles auf Herz und Nieren und legt genüsslich den Finger in die Wunde. Bei all diesen Themen hatten die Manager stets eine besondere Rolle: Sie standen im Mittelpunkt der Kritik des Autors.

Nun widmet Dueck ihnen ein eigenes Buch. Seine Kernthese: Das Management ist auf dem besten Weg, die Digitalisierung zu missbrauchen und in seinem "Effizienzwahn und kurzfristigen Quartalsdenken" die Mitarbeiter zu Lohnsklaven des 21. Jahrhunderts ("Lean Human") zu machen. Prozesse statt Personen lautet die Devise.

Dueck untermalt dies mit irren Geschichten aus dem realen Unternehmensalltag, erschütternd verdichtet. Dass eine solche Entwicklung schädlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist, kann sich jeder ausmalen. Wir brauchen stattdessen Erfindungen, Pioniergeist, Goldgräber, meint der Querdenker.

In Summe ist es harte Kost, die Dueck präsentiert. Für viele Führungskräfte ist die Lektüre sicher eine Zumutung, denn wer lässt sich gern freiwillig attestieren, Teil einer Systemneurose zu sein, dem Dogma der Effizienz hörig? Doch hier gilt die Devise: Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Und manchmal tut sie eben weh.

Buchtipp

Gunter Dueck
Heute schon einen Prozess optimiert?

Campus 2020, 328 Seiten, 24,95 Euro

Diese und weitere Buchempfehlungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Ausgabe 4/2020


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    Christina Kestel ist Redakteurin des Harvard Business Managers.
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