Innovative Entwicklungshilfe

Buch:

Von Ingmar Höhmann
Heft 12/2019

Es ist kein Geheimnis, dass Entwicklungshilfe häufig nicht die erhoffte Wirkung zeigt. Clayton Christensen, Professor an der Harvard Business School, will die Ursache dafür ausgemacht haben: den Glauben, Armut zu überwinden, indem man einfach nur genug Ressourcen bereitstellt.

Sein Buch "Das Wohlstandsparadox" leitet er mit einem klassischen Beispiel ein: dem Brunnenbau in Afrika. Keine schlechte Idee, sollte man meinen, nur: Brunnen versiegen wieder, wenn sie niemand instand hält. Allein in Afrika gebe es mehr als 50.000 kaputte Brunnen, schreibt Christensen. In ländlichen Gebieten fehle es oft an Technikern und Ersatzteilen für die Reparatur.

Christensen hat sich als Innovationstheoretiker einen Namen gemacht - von ihm stammt der Begriff der "disruptiven Innovation". Aus seinem Fachgebiet leitet er auch die Lösung für die Entwicklungshilfe ab: Sie solle auf marktschaffende Innovationen abzielen, die unerfüllte Kundenbedürfnisse befriedigen - zu einem günstigen Preis. Das sorge für Gründergeist, schaffe Jobs und führe letztlich zu Wohlstand.

Diesen Gedanken unterlegt Christensen mit unternehmerischen Erfolgsgeschichten und theoretischen Überlegungen. Er erklärt, wie die von ihm populär gemachte "Jobs to be Done"-Theorie hilft, Kundenbedürfnisse zu identifizieren; warum Pull-Strategien in armen Ländern besser geeignet sind als Push-Strategien; und wie sich die Infrastruktur oft erst in der Folge erfolgreicher Innovationen ausbildet.

Einiges davon führte er schon im Artikel "Neue Märkte schaffen" in der HBM-Juli-Ausgabe 2019 aus. Ein lesenswertes Buch, das die Entwicklungshilfe um eine marktwirtschaftliche Perspektive bereichert.

Buchtipp

Clayton M. Christensen
Das Wohlstandsparadox
Warum klassische Entwicklungshilfe scheitert und wie innovative Ideen Hoffnung geben

Plassen Verlag 2019, 400 Seiten, 24,99 Euro

Diese und weitere Buchempfehlungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

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