So rettete ich mein Lebenswerk

Chefsache:

Von August-Wilhelm Scheer
Heft 4/2019

Als Karl-Heinz Streibich mir das Angebot unterbreitete, dachte ich zunächst an einen Scherz. Es war im März 2014, wir hatten uns auf der Computermesse Cebit in Hannover getroffen. Streibich war damals CEO der Software AG. Unser Gespräch verlief unspektakulär - bis er mir beiläufig anbot, die IDS Scheer Consulting GmbH mit rund 600 Mitarbeitern zurückzukaufen. Das Unternehmen hatte ich als Teil der IDS Scheer AG erst im Jahr 2009 an die Software AG verkauft.

August-Wilhelm Scheer
  • Der Manager
    August-Wilhelm Scheer (77), früher Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes, gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen IT-Branche. Er war Aufsichtsrat des Softwarekonzerns SAP, von 2007 bis 2011 Präsident des Bundesverbands Bitkom, hat mehrere Unternehmen gegründet und sich an einer Reihe von Startups beteiligt. Heute bilden Scheers Firmen, gebündelt in einer Holding, den Kern des saarländischen IT-Clusters.

Die Aktion war mir damals sehr schwergefallen. Die Gründung 1984, der Börsengang 1999 und das Wachstum auf 3500 Mitarbeiter weltweit waren mein Lebenswerk. Aber Ende der Nullerjahre, die Finanzkrise wütete, sah ich aus unternehmensinternen Gründen und der Wettbewerbssituation heraus keine Alternative zum Verkauf. Die Software AG hatte seit Jahren starkes Interesse gezeigt, es schien die richtige Entscheidung zu sein.

Nun, gerade einmal fünf Jahre später, wurde mir angeboten, die IDS Scheer Consulting wieder zu übernehmen, den rechtlich selbstständigen Beratungsbereich meines ehemaligen Unternehmens für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. Andere ausländische Consultingbereiche hatte die Software AG bereits verkauft. Sie wollte sich komplett vom Beratungsgeschäft trennen und sich auf die Software Aris konzentrieren, das wichtigste Produkt des übernommenen Unternehmens IDS Scheer AG.

Am folgenden Wochenende ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass ich mit dem Rückkauf meine eigene Story als Unternehmer wieder korrigieren könnte. Denn als Gründer und Hauptanteilseigner hatte ich nie einen für mich lukrativen Exit angestrebt. Vielmehr wollte ich mit der IDS Scheer AG eines der erfolgreichsten deutschen Softwareunternehmen dauerhaft etablieren. Wir hatten es bis zur Nummer drei in Deutschland gebracht, gleich nach SAP und der Software AG. Nun hatte ich die Chance, an diese Geschichte wieder anzuknüpfen.

Aber war dies überhaupt realistisch? Wäre ich der Situation gewachsen? Schließlich war 2009 auch mein fortgeschrittenes Alter von damals 68 Jahren ein Grund für den Verkauf gewesen. Nun war ich noch mal fünf Jahre älter. Wieso reizte mich der Gedanke dann so stark?

Eigentlich hatte ich nach dem Verkauf andere Pläne gehabt; Unternehmertum gehörte nicht dazu. Ich wollte mich meinen Interessen als Kunstsammler und Mäzen widmen. Doch dann fragten mich ehemalige Mitarbeiter, ob ich ihnen bei der Gründung von Unternehmen helfen würde, und ich konnte nicht Nein sagen. So wurde ich zum Business Angel und beriet Start-ups bei der Formulierung ihrer Geschäftskonzepte und Businesspläne.

Ich beteiligte mich auch finanziell. Allerdings hielt ich nie mehr als 25 Prozent des Gründungskapitals, da ich nicht die unternehmerische Führung übernehmen wollte. Zur Verwaltung meiner Firmenanteile gründete ich eine Holdinggesellschaft. Als Geschäftsführer stellte ich Rudolf Keul ein. Er war früher Wirtschaftsprüfer und in der letzten Phase der IDS Scheer deren CFO gewesen.

Nur einem Unternehmen gestattete ich die Verwendung meines Namens, es nannte sich Scheer Management GmbH. Die Gründer, alle ehemalige Mitarbeiter der IDS Scheer, bildeten die Geschäftsführung. Aber auch hier beteiligte ich mich anfangs nur mit 25 Prozent. Doch die Scheer Management GmbH wuchs schnell. Bald umfasste sie 200 Mitarbeiter und benötigte weiteres Kapital. Ich erhöhte meinen Anteil schrittweise auf über 50 Prozent.

So wandelte sich meine Rolle schleichend von der eines Business Angels wieder mehr zu der eines Unternehmers. Das wurde nach außen hin sichtbar: Für die Unternehmen meiner Holding hatte ich auf dem Campus der Universität Saarbrücken ein zehnstöckiges Bürogebäude errichtet, den Scheer-Tower.

Eine schwierige Entscheidung

Ich analysierte deshalb an dem betreffenden Wochenende das Für und Wider eines Rückkaufs der IDS Scheer - und kam zu dem Schluss: Es gab viele gute Gründe, warum ich zugreifen sollte. Meine Überlegungen sahen wie folgt aus: (..)

Den vollständigen Text von August-Wilhelm Scheer finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Ausgabe 4/2019


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