"Mut ist störend"

Spezial Mut:

Von Anja Förster
18. Dezember 2019
foerster-kreuz.com

Ich halte Mut für eine essenzielle Grundlage des Lebens. Mut bedeutet, den Antrieb und die Ausdauer zu haben, außergewöhnliche Dinge in die Tat umzusetzen, und zwar ohne Netz und doppelten Boden. Mut bedeutet, etwas zu bewegen - im Beruf und darüber hinaus. Mut heißt, sich von der Zuschauerbank zu erheben und mit Neugierde, Experimentierfreude und Tatendrang auf die Lebensreise zu gehen. Das erfordert nicht nur Gestaltungswillen, sondern auch Selbstverantwortlichkeit. Das eine geht nicht ohne das andere.

Selbstverantwortung verlangt von mir, meine Position zu überprüfen und die Konsequenzen zu tragen. Und sie verlangt von mir, auf eigene Fähigkeiten zu setzen: Selbstdisziplin, Selbstorganisation, Selbsteinschätzung, Selbstkontrolle, Selbstvertrauen. Das ist unabdingbar für alle, die mutig gestalten und ihre Selbstbestimmung nicht beim Management abgeben wollen. Dies erfordert von uns eine Haltung - und das ist beileibe keine Petitesse oder nettes Zubehör für den Charakter. Das macht die Sache so herausfordernd.

Selbstverantwortung und den Mut zum Handeln muss man wollen und sich dafür entscheiden. Es ist also eine individuelle Angelegenheit, die aber nur dann zur vollen Entfaltung kommt, wenn sie auf ein Umfeld trifft, das mutige und selbstbestimmte Menschen wertschätzt. Ein Umfeld, das Menschen, die interessante Ideen jenseits des Mainstreams entwickeln und vorantreiben, nicht als nervende Störung brandmarkt, sondern als wichtige Entwicklungshelfer für das Unternehmen versteht. Entwicklungshelfer deshalb, weil diese Querdenker und kritischen Geister eingefahrene Routinen stören, das Denken stimulieren und in neue Bahnen lenken. Diese Menschen, die ich "Rebels at Work" nenne, liefern einen sehr wichtigen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Theoretisch sind auch alle dafür. Nur sieht der Normalbetrieb so etwas nicht vor. Klar gibt es hin und wieder unternehmensweite Aufrufe, mutige neue Ideen einzureichen. Aber der betriebliche Alltag besteht aus Ausführen, Umsetzen und Funktionieren - und nicht aus Hinterfragen, Neudenken und Experimentieren. Der Tenor dahinter: Bitte nicht die Sache mit dem Mut übertreiben und die herrschende Ordnung infrage stellen! Positive Abweichler zu fördern ist die schwerste Entscheidung für eine Organisation, weil diese Menschen die heilige Ordnung stören. Auf Leisetreter und Ballflachhalter zu setzen ist deshalb in vielen Organisationen die bevorzugte Wahl.

Was für ein Wahnsinn! Wer heute keinen Mut hat, nichts hinterfragt und nichts Neues wagt, wird morgen garantiert scheitern, denn die Spielregeln sind nicht mehr die alten. Deshalb sollten Organisationen diese Rebellen wertschätzen. Sie sollten ihre Kraft, ihre Ideen und ihren Mut nutzen.

Alle Antworten lesen Sie in unserem Spezial Mut.

Anja Förster
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    Anja Förster ist Autorin, Unternehmerin und Mitgründerin der Initiative "Rebels at Work". Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Kreuz ist sie angetreten, neuen Wind in alte Strukturen zu bringen.
Spezial 2020

Mut


Ein Heft über die wichtigste Eigenschaft von Führungskräften


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