Annie Lennox

Fünf Minuten mit ...:

Von Alison Beard
Heft 7/2011

HBM: Wie sind Sie kreativ?

Lennox: Wenn ich allein arbeite, beginne ich meist am Klavier und klimpere dort einfach ein bisschen herum. Manchmal gewinnt dabei plötzlich eine Tonfolge meine Aufmerksamkeit. Ich begeistere mich dann wie ein Kind: "Wow, das muss ich einfach weiterverfolgen." Es ist wichtig, dass man offen und neugierig ist und sich durch die eigene kritische Stimme nicht selbst ausbremst. Selbstbewusstsein ist wichtig - und das erlangt man am besten, indem man sich an die Arbeit macht: Je regelmäßiger desto besser.

Die schottische Sängerin und Komponistin Annie Lennox hat mehr als 80 Millionen Alben verkauft, sie zählt zu den großen Namen der Popindustrie. Auch als Menschenrechtsaktivistin ist die ehemaligeSängerin der Band Eurythmics bekannt: Sie ist Botschafterin der Entwicklungsorganisation Oxfam und von UNAids, demHIV-Bekämpfungs programm der Vereinten Nationen.
Sandy Young

Die schottische Sängerin und Komponistin Annie Lennox hat mehr als 80 Millionen Alben verkauft, sie zählt zu den großen Namen der Popindustrie. Auch als Menschenrechtsaktivistin ist die ehemaligeSängerin der Band Eurythmics bekannt: Sie ist Botschafterin der Entwicklungsorganisation Oxfam und von UNAids, demHIV-Bekämpfungs programm der Vereinten Nationen.

HBM: Warum haben Sie sich von Ihrem Gesangspartner David Stewart und den Eurythmics getrennt?

Lennox: Viele kreative Beziehungen stecken irgendwann in einer Zwickmühle: Man hat plötzlich das Gefühl, dass man sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt oder gemeinsam nur noch auf der Stelle tritt. Dieser Zustand widerspricht jedoch der Natur eines Künstlers, der sich immer wieder neu erfinden will. Wir wollten uns damals beide lieber getrennt voneinander weiterentwickeln. Ich hatte vor allem Sehnsucht, der Tretmühle zu entkommen, die Erfolg mit sich bringen kann.

HBM: Sie haben die Auszeit genutzt, um Ihre beiden Töchter großzuziehen.

Lennox: Jede berufstätige Mutter kennt das Dilemma: Wenn man zu Hause ist, ist man neidisch auf alle berufstätigen Mütter. Wenn man arbeitet, denkt man, wie schön es wäre, bei den Kindern zu sein. Ich versuche, die richtige Balance zwischen meiner Rolle als Mutter und meinem Leben als Künstlerin hinzubekommen. Wenn ich meine Kinder frage, ob mir das gelingt, bejahen sie das zum Glück immer.

HBM: Wie machen Sie sich für einen Auftritt fertig?

Lennox: Vorbereitung ist alles. Je mehr man geprobt hat, desto sicherer und selbstbewusster fühlt man sich später auf der Bühne: Man sollte jeden Song in- und auswendig kennen und mit dem Ablauf der Show bis ins letzte Detail vertraut sein. Wenn es darauf ankommt, muss einfach alles sitzen. Ich achte auch darauf, dass ich vor Auftritten ausgeruht bin, meine Stimme muss voll da sein - schon allein damit ich keine Angst habe, dass sie mir während der Show versagt. Sobald ich mein Make-up bekomme und mich umziehe, versuche ich mich innerlich zu fokussieren. Beim Auftritt selbst hilft es, sich vorzustellen, dass man nur dieses eine Mal auf der Bühne steht - dann tritt man nämlich auf wie niemals zuvor.

HBM: Sind Sie im Zeitalter der digitalen Musik angekommen?

Lennox: Ich liebe es, über das Internet mit Menschen zu kommunizieren, und zu bloggen. Und es ist großartig, Musik mit diesen neuen kleinen elektronischen Mischpulten aufzunehmen - anstelle der alten klobigen. Aber ich bin zugleich auch ein bisschen altmodisch. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, dass Menschen Songs von uns herunterladen und wie selbstverständlich davon ausgehen, dass das nichts kostet.

HBM: Wie schafft man es, über so lange Zeit erfolgreich zu bleiben?

Lennox: Man muss neugierig bleiben und sollte sich nicht in eine Schublade stecken lassen. In der Popmusik muss man bereit sein, Risiken einzugehen. Nicht alles, was man macht, wird dem Massengeschmack entsprechen. Aber nur wer mutig ist, bleibt als Künstler lebendig.


Mit Annie Lennox sprach Alison Beard, Redakteurin der "Harvard Business Review".

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