Der Weg zum perfekten Job

Heft 1/2011

3. Teil: Wer spielerisch arbeitet, leistet mehr

Spielerisch arbeiten

Wenn Sie den richtigen Beruf gefunden haben und in einem Arbeitsumfeld tätig sind, in dem eine Atmosphäre der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit herrscht, gelangen Sie naturgemäß zum nächsten Schritt meiner Strategie: dem kreativen, fantasievollen Umgang mit Ihrer Aufgabe - einem Zustand, den ich als "Spiel" bezeichne. Bei spielerischen Aktivitäten ist, wie Untersuchungen mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie zeigen, unsere rechte Gehirnhälfte (das Zentrum unseres spontanen, intuitiven Denkens) aktiv und nicht die linke Hälfte, die für vernünftige, detailorientierte, analytische Denkprozesse zuständig ist. Aber man kann selbst reine Routinearbeiten wie beispielsweise buchhalterische Tätigkeiten auf spielerische Weise ausführen.

Die höchste Leistungsfähigkeit erreichen Menschen, die in ihrer Aktivität aufgehen und sich selbst vergessen.
Karsten Petrat

Die höchste Leistungsfähigkeit erreichen Menschen, die in ihrer Aktivität aufgehen und sich selbst vergessen.

Ihr Ziel sollte es sein, einen Zustand zu erreichen, den Mihaly Csikszentmihalyi als "Flow" bezeichnet und in dem man so völlig in seiner Aktivität aufgeht, dass man sich selbst darüber vergisst. Denn in diesem Zustand bringen Menschen Höchstleistungen zustande. Oder wie es im Unternehmenscredo der Fluggesellschaft Southwest Airlines heißt: "Menschen sind nur selten erfolgreich bei Dingen, die ihnen keinen Spaß machen." Aus den Neurowissenschaften weiß man, dass spielerische Aktivitäten zum Wachstum unseres Gehirns beitragen. Denn Spiel regt die Ausschüttung des Brain Derived Neurotropic Factor (BDNF) an, eines erst vor Kurzem entdeckten Moleküls, das das Nervenwachstum fördert. Spielen aktiviert die Amygdala, eine Ansammlung von Nervenzellen, die bei der Emotionsregulation eine wichtige Rolle spielt. Außerdem hat es positive Auswirkungen auf den präfrontalen Kortex, der exekutive Funktionen reguliert: Dieser Gehirnbereich ist beispielsweise aktiv, wenn wir etwas planen, organisieren, Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen, Zeitpläne erstellen, Entwicklungen voraussehen, Aufgaben delegieren, analysieren - kurzum: bei der Ausübung der meisten Fähigkeiten, die man benötigt, um in der Unternehmenswelt hervorragende Leistungen erbringen zu können.

Bei der Arbeit zu spielen klingt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch in sich. Schließlich wird man dafür bezahlt, dass man etwas Ernsthaftes tut - sich an einen bestimmten Plan hält und Resultate erbringt. Aber das heißt noch lange nicht, dass man seine Aufgaben nicht kreativ und fantasievoll angehen sollte. Statt eine Arbeit einfach nur gedankenlos auszuführen, denken Sie ruhig einmal darüber nach und ändern Sie Ihren Kurs, wenn es erforderlich ist oder wenn Ihre Neugier Ihnen eine andere Richtung vorgibt! Dadurch kann das Endprodukt nur besser werden.

Tatsächlich erbringen Menschen ihre besten Leistungen, wenn sie spielen. Auch beim Spiel gibt man sich Mühe (eine Definition von Arbeit); aber man tut es in einem Zustand der Begeisterung, statt es einfach nur als Plackerei zu empfinden. Ein Chirurg im OP, ein Anwalt, der vor Gericht sein Plädoyer hält, ein Chef, der seinen Mitarbeitern eine neue Strategie erläutert, ein Börsenmakler, der eine neue Aktie aufs Korn nimmt, ein Manager, der eine schwierige Konferenz leitet - all diese Leute leisten harte Arbeit und spielen dabei doch gleichzeitig.

Ich hatte einmal einen Patienten, der seinen Job hasste, weil sein Chef darauf bestand, dass er sich streng an die vorgeschriebenen Verfahrensweisen hielt - oder wie er es ausdrückte: "Er verlangt von mir, dass ich den ganzen Tag irgendwelche blöden Sachen mache." Das eigentliche Problem dieses Mannes war, dass sein Chef ihn am Spielen hinderte - daran, kreativ zu denken und Eigeninitiative zu entwickeln. Ich coachte ihn und zeigte ihm Wege auf, wie er seinen Vorgesetzten um mehr Handlungsspielraum bitten konnte. Wenn man auf die richtige Art und Weise auf seinen Chef zugeht, ist dieser häufig bereit, von seinen Vorgaben abzuweichen; schließlich will auch er, dass seine Mitarbeiter Spitzenleistungen erbringen.

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