Was gegen Unfairness hilft

Leistungsbeurteilung:

Heft 7/2019
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Das Problem ist lange bekannt: In quantitativen Leistungsbewertungen bekommen Männer regelmäßig höhere Punktzahlen als Frauen, auch wenn sie Vergleichbares leisten. Lauren Rivera und András Tilcsik von der Kellogg School und der Rotman School of Management haben entdeckt, wie sich dieser Gender Bias beseitigen lässt: durch eine minimale Umstellung des Beurteilungssystems.

Dafür untersuchten sie an einer großen Universität, was sich dadurch änderte, dass Studierende ihre Dozenten auf einer Skala von 1 bis 6 bewerteten statt wie bisher auf einer Skala von 1 bis 10. Die Auswirkungen waren verblüffend: Während Männer unter dem Zehn-Punkte-System in den meisten männerdominierten Fächern signifikant bessere Bewertungen erhalten hatten als Frauen, verschwand dieser Effekt vollkommen durch den Wechsel zu einem Sechs-Punkte-System.

Was war geschehen? Mithilfe einer weiteren Feldstudie gingen die Professoren den psychologischen Ursachen auf den Grund. Sie fanden heraus, dass Probanden Frauen nur ungern die Höchstnote 10 gaben, auch nicht für Topleistungen. Bei Männern dagegen hatten sie diese Skrupel nicht. Die Note 10 assoziierten sie mit Perfektion, Genialität oder dem Status eines Superstars - Eigenschaften, die stereotyp eher Männern als Frauen zugeschrieben werden. Die Topnote 10 blieb für Frauen daher oft unerreichbar; selbst brillante Dozentinnen wurden mit einer 8 oder 9 abgespeist.

Die Höchstnote auf einer sechsstufigen Skala dagegen ist nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler nicht mit solch hohen Leistungserwartungen aufgeladen. Um sechs Punkte zu erreichen, mussten Frauen wie Männer im Feldexperiment lediglich sehr gute Leistungen abliefern, keine überragenden.

Tatsächlich ließ die sechsstufige Skala den Gender Gap völlig verschwinden. "Erst wenn wir erkennen, dass diese systematischen Verzerrungen Teil unserer Bewertungssysteme sind, können wir versuchen, diese zu ändern", schreiben die Studienautoren.

Quelle: Lauren A. Rivera, András Tilcsik: "Scaling Down Inequality: Rating Scales, Gender Bias, and the Architecture of Evaluation", American Sociological Review, März 2019.

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Ausgabe 7/2019


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