Verunsicherte Unternehmen

Kundenbewertungen:

Heft 7/2019
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Wovon hängt es ab, für welches Produkt sich Verbraucher entscheiden? In erster Linie vom Preis und von den Produkteigenschaften, so viel ist klar. Aber was kommt danach? Die Marke? Nein, das war einmal. Kunden verlassen sich heute stärker auf Produktbewertungen anderer Online-User.

Mittlerweile ist in Ratings das Kriterium "Marke" in Deutschland sogar von Platz drei der kaufentscheidenden Punkte verdrängt. Das hat die Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners in einer zweiteiligen Studie zur "Rating Economy" unter Verbrauchern und Unternehmen herausgefunden.

So lesen 43 Prozent der deutschen Kunden vor einem Kauf regelmäßig Bewertungen; 28 Prozent bewerten das Produkt selbst. Vor allem bei Unterhaltungselektronik, Hotels und Tourismus geht kaum noch etwas ohne Ratings.

Diese Transparenz komme den Kunden zugute, erklärt Georg Tacke, CEO von Simon-Kucher: "Die Konsumenten sind immer weniger von den Marketingversprechen und Werbebotschaften der Unternehmen abhängig. Das Kräftegleichgewicht verschiebt sich zugunsten der Kunden."

Diese Erkenntnis scheint aber noch nicht bei allen Unternehmen angekommen zu sein. Zwar setzen sich 84 Prozent der deutschen Firmen bereits mit dem Thema Ratings auseinander. Bei den meisten sind die Maßnahmen allerdings noch in einem frühen Stadium: 36 Prozent haben überhaupt keine Ratingstrategie; 49 Prozent sind gerade erst dabei, eine zu entwickeln oder die bestehende zu optimieren. Und nur 15 Prozent fühlen sich in diesem Punkt strategisch gut aufgestellt.

"Viele Unternehmen wissen einfach nicht, wie sie das Thema Ratings anpacken sollen", weiß Georg Tacke. "Das erinnert an die Unsicherheit, die anfänglich auch bei der Digitalisierung geherrscht hat: Allen war klar, dass es Handlungsbedarf gibt, aber kaum jemand wusste, was genau zu tun war."

Quelle: "The Rating Economy 2019",Studie von Simon-Kucher & Partners, März und Mai 2019

Diese und weitere Meldungen zu aktuellen Studien und Trends finden Sie im neuen Harvard Business Manager.

Ausgabe 7/2019


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