Was Superprognostiker auszeichnet

Strategie:

Von Philip E. Tetlock
28. Juli 2016
Getty Images

Als das National Intelligence Council, ein Strategiegremium das alle Nachrichtendienste der USA überspannt, im Oktober 2002 in einem offiziellen Gutachten feststellte, der Irak verfüge über chemische und biologische Waffen, lag es völlig falsch. Als Reaktion darauf wurde ein Forschungsprojekt initiert, um nach den Ursachen zu fahnden. Es enthielt den Prognosewettbewerb Good Judgement Project, bei dem Tausende Amateure gegen erfahrene Geheimdienstanalysten antraten. Eines der überraschenden Ergebnisse: Talentierte Generalisten prognostizierten häufig besser als Experten.

Nach der Auswertung der Ergebnisse ermittelte das Good Judgment Project, welche Eigenschaften die besten Prognostiker dieses Wettbewerbs gemeinsam haben. Ein öffentlicher Wettbewerb läuft noch unter gjopen.com - dort kann sich jedermann registrieren und mitmachen.

Philosophie und grundsätzliche Sichtweisen
Vorsichtig: Sie wissen, dass kaum etwas sicher ist.
Bescheiden: Sie kennen ihre Grenzen.
Nicht deterministisch: Sie gehen nicht davon aus, dass alles vorbestimmt ist

Fähigkeiten und Denkmuster
Aufgeschlossen: Sie betrachten Überzeugungen als Hypothesen, die es zu testen gilt.
Nachforschend: Sie zeichnen sich durch intellektuelle Neugier aus und schätzen geistige Herausforderungen.
Nachdenklich: Sie sind introvertiert und selbstkritisch
Zahlenaffin: Sie sind gute Rechner

Prognoseansätze
Pragmatisch: Sie sind nicht einer bestimmten Idee oder einem festen Plan verhaftet.
Analytisch: Sie ziehen unterschiedliche Sichtweisen in Betracht.
Reflektiert und offen: Sie lassen andere Sichtweisen in ihre Betrachtung einfließen.
Wahrscheinlichkeitsorientiert: Sie stufen Ereignisse nicht als sicher oder unsicher ein, sondern als mehr oder weniger wahrscheinlich.
Flexible Datennutzer: Sie ändern bei einer veränderten Datenlage gegebenenfalls ihre Meinung.
Hobbypsychologen: Sie sind sich ihrer kognitiven Verzerrungen und emotionalen Einflüsse bewusst

Arbeitseinstellung
Ehrgeizig: Sie wollen immer besser werden.
Hartnäckig: Sie bleiben an einem Problem dran, bis es gelöst ist.

Zum Autor
Philip E. Tetlock leitete das Good Judgement Project. Gemeinsam mit seinem Berater Paul Shoemaker beschreibt er in seinem Beitrag "Der genaue Blick in die Zukunft" wie Manager lernen können, zu besseren Vorhersagen zu kommen.

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