"Mut macht stark"

Spezial Mut:

Von Vanessa Weber
11. Februar 2020
Bettina Brogsitter-Geiser

Als ich 18 Jahre alt wurde, hat mich mein Vater gefragt, ob ich seine Nachfolge in unserem Familienunternehmen Werkzeug Weber antreten wolle. Ich habe gleich geantwortet: "Ich mache das." Ich hätte ihm in diesem Moment auch nichts anderes sagen können, weil ich es nicht übers Herz gebracht hätte. Aber er hatte keinen Zweifel daran, dass ich es gut machen würde. Er musste es nicht mal aussprechen, sondern er ließ es mich einfach spüren. Das hat mich bestärkt. Hinzu kam, dass ich auf einer Wirtschaftsschule gewesen war und im elterlichen Betrieb aufgewachsen bin. Mit Werkzeugen kannte ich mich also aus.

Ich hatte über diese Entscheidung auch nicht lange nachdenken müssen. Je länger man so etwas hinauszögert, umso schwerer wird die Entscheidung. Mutig zu sein heißt auch, einfach mal machen. Mut ist eine ganz wichtige Unternehmereigenschaft.

Mein Vater ließ mich ausprobieren, hat mir Aufgaben gegeben mit der Weisung: "Mach mal." Er ließ mich auch Fehler machen. Ich bin froh über diese Erfahrungen, denn in vielen Familienunternehmen läuft es anders: Die Kinder werden in Watte gepackt, dürfen nichts in die Hand nehmen und müssen sich alles absegnen lassen.

Meine Devise ist "Learning by doing". Ich gehe direkt in neue Situationen rein - nicht ängstlich, sondern zuversichtlich. Natürlich hatte ich meinen Vater an meiner Seite, den ich immer um Rat fragen konnte. Doch oft nahm und nehme ich seine Meinung nur zur Kenntnis, weil er vieles anders gemacht hätte. Er sagt dann immer: "Das würde ich nicht so machen, aber mach mal!" Das ist ein immenser Vertrauensvorschuss, der beim Voranschreiten hilft. Es hat sich sehr gelohnt, dass ich meinen Weg gegangen bin. Unser Umsatz ist von rund zwei Millionen im Jahr 2002 auf heute rund zehn Millionen Euro gestiegen.

Es gibt viele Menschen, die einem etwas nicht zutrauen, aber es gibt noch mehr, die sich selbst einreden, dass sie es nicht schaffen werden. Das ist gerade unter den deutschen Perfektionisten eine beliebte Einstellung. Ich bin eher der Typ, der Neuland liebt und sagt: "Ich schaffe das". Dann sind solche Momente, sich zu überwinden, deutlich leichter. Mut sehe ich als Folge von Selbstvertrauen und Optimismus. Stolz und Spaß gesellen sich immer dann dazu, wenn man es geschafft hat.

Die Angst ist wie ein großer Elefant, der vor einem steht. Wenn das Ereignis vorüber ist, erkennt man, dass es nur eine Mücke war und kein großer Elefant. Das ist reine Kopfsache. Man fährt leichter damit, die Mücke auch als Mücke zu betrachten.

Ein wichtiger Leitsatz für mich ist: Mache jeden Tag etwas, vor dem du Angst hast. Je mehr man die eigene Komfortzone ausweitet, desto weniger kann einen gedanklich etwas in Gefahr bringen. Das macht einen stark. Mut macht einen stark!

Alle Antworten der Umfrage lesen Sie in unserem Spezial Mut.

Spezial 2020

Mut


Ein Heft über die wichtigste Eigenschaft von Führungskräften


Vanessa Weber
  • Copyright: Bettina Brogsitter-Geiser
    Bettina Brogsitter-Geiser
    Vanessa Weber führt das Familienunternehmen Werkzeug Weber seitdem sie 22 ist - mit Erfolg: Sie konnte den Umsatz verfünffachen.
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