Was tun, wenn Sie einen Mitarbeiter nicht ausstehen können?

4. Oktober 2013

2. Teil: Eine starke Medizin

Bleiben Sie freundlich

Jeder möchte, dass sein Chef ihn mag. Egal, wie Sie über einen Mitarbeiter denken: Er wird sehr auf Ihre Signale achten und davon ausgehen, dass jedes Zeichen der Missbilligung oder gar Abscheu mit seiner Leistung zu tun hat. Ihre Pflicht ist es deshalb, fair, unparteiisch und gelassen zu bleiben. "Ein diplomatisches Pokerface aufrechtzuerhalten ist wichtig. Sie müssen es schaffen, professionell und positiv zu wirken", sagt Dattner.

Nach Positivem suchen

Niemand ist zu 100 Prozent nervig. Trotzdem ist es natürlich viel einfacher, bei Ihren Favoriten das Beste zu sehen und bei Menschen, die Sie stören, das Schlechteste. "Wenn Sie bei Ihren Stars nach Schwächen suchen und bei Leuten, die Sie nicht mögen, nach guten Seiten, kann das helfen, ausgeglichener zu werden", sagt Dattner. Suchen Sie nach etwas, das Sie an einer Person mögen. "Gehen Sie vom Besten aus, konzentrieren Sie sich darauf, was jemand gut kann und wie es dem Team hilft", rät Sutton. Sein Vorschlag: Fragen Sie sich regelmäßig, was ein Mitarbeiter angesichts seiner Talente und Grenzen tun kann, das möglichst gut für das Team wäre. Kann ein besonders strebsamer Mitarbeiter vielleicht zusätzliche Projekte übernehmen? Könnte das Schneckentempo eines Langsamsprechers das ganze Team dazu bringen, vor dem Reden mehr nachzudenken?

Vorurteile bei Bewertungen heraushalten

Wenn jemand Sie nervt, müssen Sie besonders darauf achten, Ihre Voreingenommenheit aus den Prozessen für Leistungsbewertung und Vergütungsfragen herauszuhalten. Stellen Sie sich dazu eine Frage, rät Dattner: "Wende ich hier dieselben Standards an wie bei anderen?". Wenn Sie es schwierig finden, fair zu bleiben, empfiehlt Sutton, einen anderen Manager zu Rate zu ziehen, der die Arbeit des Betroffenen kennt. Bitten Sie ihn um eine offene Rückmeldung dazu, ob er Ihre Einschätzung teilt. Sie könnten den Kollegen sogar bitten, den Advocatus Diaboli zu spielen und die starken Seiten Ihres Mitarbeiters darzulegen. "Führungsqualität wird oft falsch als Solotrip verstanden. Dabei ist sie viel eher ein Mannschaftssport", sagt Sutton.

Verbringen Sie mehr Zeit miteinander

Das mag sich anhören wie das Letzte, was Sie wollen. Aber es kann durchaus helfen, sich einem problematischen Mitarbeiter stärker auszusetzen - manchmal bringt nur eine starke Medizin Heilung. Sutton zitiert in diesem Zusammenhang Studien, laut denen Zusammenarbeit bei schwierigen Aufgaben tendenziell Gemeinsamkeit entstehen lässt. "Wenn Sie eng zusammenarbeiten, werden Sie mit der Zeit vielleicht beginnen, jemand vorher Unangenehmes zu schätzen", sagt er. Weisen Sie einen ungeliebten Mitarbeiter Ihrem schwierigsten Projekt zu oder machen Sie ihn zu Ihrer rechten Hand bei einer bedeutenden Initiative. Und am wichtigsten: Denken Sie daran, immer offen zu bleiben. "Ihr Lieblingsmitarbeiter von heute kann der am wenigsten beliebte von morgen sein. Leute, denen Sie vertrauen, könnten das schon morgen nicht mehr verdienen", mahnt Dattner.

Was Sie tun sollten

  • Seien Sie ehrlich zu sich selbst - finden Sie die Auslöser, die bei Ihnen ungute Gefühle wecken.
  • Prüfen Sie sich selbst auf Voreingenommenheit, indem Sie für die Leistungsbeurteilung bei einem problematischen Mitarbeiter die Meinung eines Dritten einholen.
  • Bleiben Sie offen - Ihre Perspektive kann sich ändern.

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