Oscars des Managements 2019

Thinkers50:

Von Ingmar Höhmann
20. November 2019

In der Managementforschung reicht manchmal eine einzige schlaue Idee, um sich über Jahrzehnte Ruhm und Reichtum zu sichern. W. Chan Kim und Renée Mauborgne, Strategieprofessoren an der französischen Wirtschaftshochschule Insead, gelang dies 2005 mit ihrer Metapher der blauen und roten Ozeane. Mehrere Millionen Exemplare ihres Buchs "Der Blaue Ozean als Strategie" wurden verkauft - für ein Managementbuch, zumal von Hochschulprofessoren geschrieben, ein schier unglaublicher Erfolg.

Die Idee hinter dem Konzept war ziemlich einfach: Rote Ozeane sind Geschäftsfelder, in denen es von Wettbewerbern nur so wimmelt. Das Wasser färbt sich rot, weil die Rivalen sich bis aufs Blut bekämpfen. Unternehmen, so der Ratschlag von Kim und Mauborgne, sollten besser in blaue Ozeane aufbrechen, wo noch keine Konkurrenten sind. Auf diesem Gedanken, der mit einer Reihe strategischer Überlegungen verknüpft war, entstanden später eine eigene Forschungseinrichtung (das Insead Blue Ocean Strategy Institute bei Paris) sowie weitere Bücher und Artikel.

Am Montagabend erhielten Kim und Mauborgne den Ritterschlag: Auf der neuen Rangliste der Londoner Organisation Thinkers50 belegen sie gemeinsam den ersten Platz. Dieses Ranking erscheint alle zwei Jahre, die Preisverleihung wird auch als die "Oscars des Managements" bezeichnet. Es ist deshalb wichtig, weil es keine andere wirklich gute Möglichkeit gibt, den Einfluss von Managementforschung auf die Praxis zu messen. Für die Vertreter, in erster Linie Professoren von Top-Universitäten, ist eine Platzierung auch ein Marketingtool. Wer es auf die Rangliste schafft, wirbt damit meist auf seiner Webseite, was die Chance auf lukrative Rednerjobs oder Beratungsaufträge erhöht.

Große Bedeutung bei der Auswahl kommen Veröffentlichungen in der "Harvard Business Review" zu, der Mutterzeitschrift des Harvard Business Managers. Auch deshalb finden sich immer einige Professoren der Harvard Business School im Ranking, die häufig in dem von der eigenen Universität herausgebrachten Magazin publizieren. Ihre zwei wichtigsten Vertreter sind diesmal jedoch nicht dabei: der Strategieexperte Michael Porter und der Innovationsguru Clayton Christensen. Die Organisatoren der Thinkers50, die beiden Wirtschaftsjournalisten Des Dearlove und Stuart Craine, haben Porter und Christensen stattdessen in ihre sogenannte "Hall of Fame" aufgenommen. Und wer sich in dieser Ruhmeshalle befindet, so haben sie beschlossen, darf nicht mehr in dem eigentlichen Ranking auftauchen.

Das befreit Dearlove und Craine von einer Unannehmlichkeit: Denn nichts ist einer Preisverleihung abträglicher, als wenn der Sieger nicht erscheint. So geschehen 2015: Damals wurde Michael Porter zum Gewinner gekürt. Doch der flog nicht etwa nach London, um den Preis entgegenzunehmen, sondern schickte nur eine Videobotschaft - manche der anwesenden Professorenkollegen empfanden das als Affront. Der Kniff mit der Hall of Fame schiebt solchen Situationen künftig einen Riegel vor.

Die Ruhmeshalle beherbergt inzwischen auch einen Deutschen: Hermann Simon, den Gründer der Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners sowie Erfinder des Begriffs "Hidden Champions". Einziger weiterer deutschsprachiger Managementdenker, der sich im Kreis der Thinker50 befindet, ist der Schweizer Alexander Osterwalder. Mit seinem Doktorvater Yves Pigneur erfand er einst den "Business Model Canvas", ein Tool für die Entwicklung von Geschäftsmodellen. Gemeinsam belegen die beiden im aktuellen Ranking nun Platz 4, gleich hinter Roger Martin, dem ehemaligen Dekan der Rotman School of Management in Toronto, und Amy Edmondson von der Harvard Business School. (Die weiteren Platzierungen finden Sie unter thinkers50.com)

Für den HBM sind das gute Nachrichten, denn es bestätigt die Relevanz unserer Autoren: Die meisten Vertreter im Thinkers50-Ranking, und alle aus den Top Ten, haben ihre Ideen bei uns mit eigenen Beiträgen vorgestellt. Übrigens auch die Gewinner: "Die Ozean-Strategie" hieß der Artikel, den Mauborgne und Kim 2005 im HBM veröffentlichten. Wenn Sie genauer nachlesen wollen, was die beiden damit meinten - hier gelangen Sie zum Text: Wachstum: Die Ocean-Strategie.

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    Ingmar Höhmann ist leitender Redakteur des Harvard Business Managers.
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