So überwinden Sie Ihre Angst vor Konflikten

Konflikte:

Von Amy Jen Su
Corbis

Die meisten Menschen gehen Konflikten lieber aus dem Weg. Statt Probleme direkt anzusprechen, versuchen wir nett zu sein, und das endet normalerweise damit, dass wir hinterher unendlich lange Gespräche oder Selbstgespräche über die problematische Situation führen: Wir beklagen uns, sind frustriert, grübeln über Dinge nach, die bereits geschehen sind, oder machen uns Gedanken darüber, was geschehen könnte. Diese Gespräche hören sich normalerweise so an:

"Mein Kollege ist mir schon wieder ins Wort gefallen. Eigentlich sollen wir dieses Projekt gemeinsam leiten. Aber er muss natürlich wieder mal zeigen, dass er der Chef ist - und stellt mich damit vor dem ganzen Team bloß. Diese peinliche Szene hatte ich heute immer wieder vor Augen."

"Irgendjemand muss meinem Mitarbeiter sagen, dass er mit seiner negativen Einstellung das übrige Team demoralisiert. Aber mir graut davor. Ich habe heute den ganzen Tag an nichts anderes gedacht, und deshalb ist meine ganze Arbeit liegengeblieben."

"Ich weiß schon, was sie sagen werden - dass das Budget begrenzt ist und sie uns deshalb nicht mehr finanzielle Mittel für diese Initiative zur Verfügung stellen können. Die Sache ist einfach hoffnungslos."

Kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor? Das sind nur drei Beispiele für typische Grübeleien, die ich vor kurzem bei Coaching-Sitzungen von meinen Klienten gehört habe.

Das Problem ist: Ihre Versuche, nett zu sein, können Sie ziemlich teuer zu stehen kommen. Denn die Beziehungen, die dadurch entstehen, sind weder authentisch noch konstruktiv. Außerdem können Ihre Gesundheit und Ihr Selbstwertgefühl darunter leiden - und Sie signalisieren den anderen damit, dass Sie sich in einer Opferrolle befinden. Auch für Ihr Unternehmen ist es ein Nachteil, wenn Sie Kompromisse mit den Leuten schließen, die sich am lautstärksten durchsetzen, nicht mehr differenziert denken (denn solches Denken ist eine wichtige Voraussetzung für jede Innovation!) oder nicht mehr auf die besten Problemlösungen kommen.

Ich gebe meinen Klienten immer folgende fünf Tipps, wenn sie sich dabei ertappen, dass sie einem Konflikt aus dem Weg gehen:

Denken Sie daran: Nettsein ist eine längst überholte Strategie. Wahrscheinlich haben Sie sich in Ihrem Leben oder Ihrer Karriere irgendwann einmal bei einem Konflikt die Finger verbrannt und sich bloßgestellt oder kritisiert gefühlt. In solchen Situationen beschließen wir, in Zukunft entgegenkommender zu sein, um so etwas nicht noch einmal erleben zu müssen. Wir entscheiden uns für Sicherheit, Frieden und Harmonie, statt offen und ehrlich unsere Meinung zu sagen.

Wenn ich meine Klienten frage, warum sie vor schwierigen Gesprächen zurückschrecken, kommt dabei normalerweise immer das Gleiche heraus: Sie haben einfach Angst davor, die gleichen Gefühle noch einmal durchleben zu müssen. Für viele kommt das "Aha-Erlebnis", sobald ihnen klar wird, dass sie nicht mehr jene jüngere Version ihrer selbst sind. Inzwischen sind sie gewitzter und erfahrener, haben sich neue Fähigkeiten und neues Knowhow angeeignet. Einer meiner Klienten drückte das so aus: "Ich benehme mich immer noch wie jener junge Anwalt mit zweijähriger Berufserfahrung, der vom Seniorpartner zur Sau gemacht wurde, weil er seinen Standpunkt durchzusetzen versuchte. Dabei leite ich inzwischen die Rechtsabteilung dieses Unternehmens."

Konzentrieren Sie sich darauf, was für das Geschäft Ihrer Firma wichtig ist. Wenn Sie Konflikten aus dem Weg gehen, stellen Sie nämlich in Wirklichkeit Ihre eigenen Interessen in den Mittelpunkt. In allen drei oben beschriebenen Fällen fühlten meine Klienten sich in die Enge getrieben und machten sich Sorgen darüber, wie sie von den anderen wahrgenommen wurden. Aber in Ihrem Unternehmen geht es nun einmal nicht um Sie.

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