Inspirierende Kritik

Innovation:

Von David Burkus
18. September 2013

 Überspringender Funke: Ein Umfeld von konstruktiver Kritik und Widerspruch erhöht die Quantität der Ideen
Corbis

Überspringender Funke: Ein Umfeld von konstruktiver Kritik und Widerspruch erhöht die Quantität der Ideen

Nur sehr selten hört man von Fällen, in denen ein Chef erfolgreich mit Widerspruch konfrontiert wird. Noch seltener dürften Vorgesetzte sein, die ausdrücklich zum Widerspruch aufrufen. In diesem Zusammenhang wird oft die Geschichte von Alfred P. Sloan erzählt, der bis 1937 Präsident von General Motors war. Das Top-Management von GM traf zusammen, um eine wichtige Entscheidung zu erörtern. Sloan beendete das Meeting mit dem Satz: "Meine Herren, ich kann wohl davon ausgehen, dass wir in dieser Frage alle derselben Meinung sind?!" Sloan wartete, bis jeder Teilnehmer in der Versammlung zustimmend genickt hatte und fuhr dann fort: "Dann schlage ich vor, jede weitere Diskussion zu diesem Thema bis zu unserem nächsten Meeting zu vertagen - um uns allen ausreichend Gelegenheit zu geben, die Sache kritisch zu würdigen und vielleicht sogar zu begreifen, worum es bei dieser Entscheidung geht."

Sloan wollte damit genau das einfordern, was viele von uns meiden: Widerspruch. Es wird viel darüber diskutiert, wie Führungskräfte ihre Ideen am besten an den Mann bringen, andere zum Mitziehen bewegen oder den Konsens in der Gruppe herstellen können. Weniger debattiert wird die Frage, wie sie eine Atmosphäre schaffen können, in der konstruktive Kritik geschätzt wird. Diese Art von Kritik wollte Sloan haben, und sie ist auch das, was laut jüngsten Forschungsergebnissen zu guten Entscheidungen führt.

Während Ideen entwickelt werden oder Entscheidungsprozesse laufen, sind Kritik und konstruktiver Widerspruch ein Schlüssel, um den Wert der Ideen zu prüfen und sie gegebenenfalls wertvoller zu machen. So kann ein Konflikt ein Indikator dafür sein, dass unterschiedliche Blickwinkel berücksichtigt werden und der Ideenwettbewerb greift. Im Laufe dieses Wettbewerbs werden die Ideen entweder gründlich geprüft und damit konkretisiert oder verschiedene Ideen werden zu einem noch besseren Konzept verschmolzen. Sind dagegen alle in der Gruppe immer derselben Meinung, hat das zur Folge, dass die Gruppe nicht viele Ideen hervorbringt oder dass den Mitgliedern die Übereinstimmung wichtiger ist als die Güte der Vorschläge.

Diskussion lohnt sich

In einer Studie über Konflikte und Entscheidungsfindungen wurden die Teilnehmer anhand drei verschiedener Bedingungen (Kontrollieren, Brainstorming, und Diskutieren) in jeweils drei Teams eingeteilt. Jedes Team sollte Lösungsvorschläge für dasselbe Problem machen: die Verringerung der Verkehrsstaus im Bereich der San Francisco Bay. Die Kontrollgruppen-Teams erhielten keine besonderen Anweisungen, sondern sollten nur so viele Vorschläge wie möglich generieren. Den Brainstorming-Teams wurden die dafür üblichen Regeln an die Hand gegeben. Zum Beispiel sollten sie sich vor allem die Regeln einhalten, nicht zu urteilen und die Ideen anderer weder zu kritisieren noch zu diskutieren. Die Diskussionsteams erhielten ähnliche Regeln wie die Brainstorming-Teams - mit einem entscheidenden Unterschied: Statt sich des Urteils zu enthalten, wurden sie aufgefordert, die Ideen und Vorschläge der anderen laufend zu kritisieren und zu diskutieren.

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