Wie Peter Drucker über Komplexität dachte

6. September 2013

2. Teil: Jenseits von Technologie und Produktinnovation

In dieser Umwelt müssen wir unsere grundlegenden Annahmen, was Unternehmen zum Erfolg verhilft, auf den Prüfstand stellen. Dabei sollten wir mit der wesentlichsten Frage überhaupt anfangen: Warum kommen wir überhaupt in solchen Organisationen wie Unternehmen zusammen? 1991 erhielt Ronald Coase den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften für einen Essay, in dem er nahe legte, dass wir dies tun, um Skaleneffizienzen zu nutzen - die Kosten für die Koordinierung von Aktivitäten innerhalb eines Unternehmens sind geringer als zwischen voneinander unabhängigen Funktionseinheiten. Zu dieser Zeit war dies eine bemerkenswert genaue Beschreibung der Rationalität, die zum Aufkommen der großen Unternehmen rund um den Globus führte.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Mit der wachsenden Komplexität unserer Rahmenbedingungen müssen wir einen Schritt zurückgehen und dieses Grundprinzip hinterfragen. Die Kosten und die Schwierigkeiten, die Aktivitäten von voneinander unabhängigen Funktionseinheiten global zu koordinieren, sind heute viel geringer. Der Wandel legt weiter an Geschwindigkeit zu und die Ungewissheit wird größer. Möglicherweise werden wir uns in Zukunft ein anderes Grundprinzip aneignen, um geschäftlichen Erfolg zu erreichen. Vielleicht müssen dazu den Schritt von dem Grundprinzip der Skaleneffizienz zum Prinzip des Skalenlernens machen - dazu brauchen wir Institutionen und eine Organisation der Beziehungen über die Grenzen dieser Institutionen hinweg, die allen Teilnehmern hilft, schneller zu lernen, je mehr Menschen daran teilnehmen.

Drucker hat diese Entwicklungen nicht mit diesen Begrifflichkeiten formuliert. Aber vielleicht müssen wir unsere Vorstellung von Innovation etwas erweitern, jenseits von Technologie und Produktinnovation. Wenn wir uns erfolgreich an die steigende Komplexität unserer Umwelt anpassen wollen, müssen wir mehr Zeit und Energie in die Innovation unserer Institutionen investieren. In seinen späten Werken begann Drucker, die Aspekte dieser Idee in verschiedenen Bereichen zu beleuchten, die genauso relevant für unsere heutige Perspektive sind:

  • Die Bedeutung des lebenslangen Lernen in einer sich schnell entwickelnden Informationsgesellschaft
  • Die Notwendigkeit, Organisationen rund um die Mitarbeiter zu dezentralisieren. Sie müssen als Wertanlagen gesehen werden, die in der Lage sind, Wachstum zu schaffen - nicht als Fixkostenblock, den es zu minimieren gilt. Unternehmen müssen Abstand nehmen von standardisierten und unflexiblen Arbeitsprozessen.
  • Die Notwendigkeit für Institutionen, sich auf die Bildung von Kompetenzen rund um das Kerngeschäft zu konzentrieren. Das ist einer der Gründe, warum Drucker einer der frühen Fürsprecher des Outsourcing war. Er sah dies als möglichen Weg an, das Geschäft von Unternehmen zu vereinfachen und das Management auf die Geschäftsbereiche zu konzentrieren, auf die es wirklich ankam.
  • Die Wichtigkeit, sich auf die Dynamik der sich verändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse zu konzentrieren, weniger auf statische Gleichgewichtsmodelle.

Drucker sah viele dieser Herausforderungen und Chancen voraus, die in der immer komplexer werdenden Welt liegen. Es liegt an uns, an sein Werk anzuknüpfen.

Der obige Artikel ist Teil einer Serie von Beiträgen, die im Vorfeld des Drucker Forums 2013 das Thema "Komplexitäts-Management" von verschiedenen Seiten her beleuchten. Mehr zu den Themen der Konferenz, zum Programm und zur Teilnahme finden Sie auf der Website des Forums.

Die Beiträge des Drucker Forums können Sie auch per Live-Stream mitverfolgen. Dafür müssen Sie sich hier registrieren.
Zum Autor
John Hagel III arbeitet für Deloitte Consulting und ist Co-Chairman des "Deloitte Center for the Edge" im Silicon Valley. Mit John Seely Brown und Lang Davison hat er zuletzt das Buch "The Power of Pull: How Small Moves, Smartly Made, Can Set Big Things in Motion."

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Unregistriert 06.09.2013

Nobelpreis an Coase war erst 1991
Quote: "Vor fast 80 Jahren erhielt Ronald Coase den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften für einen Essay" Der Preis wurde 1991 verliehen. Den ersten Preisträger gab es erst 1969. Gruss, Michael Gassner

Moderator 06.09.2013

Korrigiert

Zitat von UnregistriertQuote: "Vor fast 80 Jahren erhielt Ronald Coase den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften für einen Essay" Der Preis wurde 1991 verliehen. Den ersten Preisträger gab es erst 1969. Gruss, Michael Gassner
Vielen Dank für den Hinweis! Beste Grüße aus der Redaktion

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