15 Management-Krankheiten frei nach Papst Franziskus

12. Mai 2015
Tiziana Fabi / Getty Images

2. Teil: Krankheitsbilder von Führungskräften

Nun hat der Papst das Wort (mehr oder weniger):

Vom Führungsteam eines Unternehmens wird verlangt, sich ständig zu verbessern, immer mehr Lebensweisheit zu entwickeln und eine immer harmonischere Beziehung zu seinen Mitarbeitern aufzubauen; nur so könne es seine Mission hundertprozentig verwirklichen. Und doch ist dieses Management wie jede Körperschaft - und jeder menschliche Körper - Krankheiten, Funktionsstörungen und Gebrechen ausgesetzt. Ich möchte an dieser Stelle auf einige typische "Krankheitsbilder [von Führungskräften]" eingehen. Diese Krankheiten und Versuchungen können die Effektivität einer jeden Organisation gefährlich schwächen.

  1. 1. Die Krankheit, sich für unsterblich, unangreifbar oder gar unersetzlich zu halten [und daher] die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen außer Acht zu lassen. Ein Führungsteam, das nicht selbstkritisch ist, nicht mit dem Stand der Entwicklung Schritt hält und nicht ständig nach Verbesserung strebt, ist ein kranker Körper. Ein schlichter Besuch auf dem Friedhof zeigt uns die Namen vieler Menschen, die sich ebenfalls für unsterblich, unangreifbar und unersetzlich hielten. Dies ist die Krankheit jener Menschen, die sich zu Herren und Gebietern aufschwingen, die glauben, über ihren Mitmenschen zu stehen, statt ihnen zu Diensten sein zu sollen. Diese Pathologie der Macht entspringt aus einem Überlegenheitskomplex, einem Narzissmus, der selbstverliebt sein eigenes Spiegelbild betrachtet und die Gesichter anderer Menschen - vor allem der schwächsten und bedürftigsten - nicht sieht. Das beste Rezept gegen diese Seuche ist Demut. Man muss sich aus tiefster Überzeugung sagen: "Ich bin nur ein Diener. Ich habe nur meine Pflicht getan."
  1. 2. Die zweite Krankheit ist übermäßige Geschäftigkeit. Dieses Krankheitsbild findet man bei Menschen, die sich in ihrer Arbeit vergraben und niemals ausruhen. Die Vernachlässigung der so dringend benötigten Ruhepausen führt zu Stress und innerer Erregung. Eine Ruhepause nach getaner Arbeit ist notwendig, geradezu obligatorisch, und sollte unbedingt eingehalten werden: Zum Beispiel sollte man sich immer wieder Zeit für seine Familie nehmen und Feiertage und Urlaube als Zeit der Regeneration ernst nehmen.
  1. 3. Und dann gibt es auch noch die Krankheit der geistigen und [emotionalen] Versteinerung. Man findet sie bei jenen Führungskräften, die ein Herz aus Stein haben und halsstarrig auf ihrem Standpunkt beharren - jenen Menschen, die im Lauf der Zeit ihre innere Gelassenheit, ihre geistige Wachheit und ihren Wagemut verlieren und sich hinter einem Stapel von Papieren verkriechen: Verwaltungsmenschen ohne Mitgefühl. Es ist gefährlich, das menschliche Einfühlungsvermögen zu verlieren, das uns dazu befähigt, mit den Traurigen mitzuweinen und uns mit den Fröhlichen mitzufreuen. Denn dadurch wird unser Herz irgendwann hart, und wir können unsere Mitmenschen nicht mehr lieben. Eine wahrhaft menschliche Führungspersönlichkeit muss die Eigenschaften der Demut und Selbstlosigkeit, der inneren Distanz und Großmut besitzen.

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