Produktiv im Homeoffice

Newsletter Lead Forward:

Von Antonia Götsch
7. April 2020
Getty Images

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Küche, im hastig umgeräumten Schlafzimmer, auf der Couch, im Kinderzimmer an der Heizung: So flexibel und improvisiert wie in den vergangenen Wochen, habe ich selten gearbeitet. An drei von fünf Arbeitstagen startete ich ohne Frühstück und krümelte dann gegen Mittag ein hastig belegtes Brot in die Tastatur. Abends arbeitete ich häufig weiter und tauschte meine Kaffeetasse gegen ein Glas Rotwein.

Ich bin in die Homeoffice-Falle gestolpert. Zum einen kamen durch die Corona-Pandemie täglich neue Aufgaben und Herausforderungen auf mich zu, zum anderen fehlte mir die Struktur. Einen entscheidenden Fehler habe ich nun korrigiert - und sofort gespürt, wie sich meine Produktivität und Laune verbesserten.

Trigger abschalten

Der gesamte Spiegel-Verlag, zu dem auch der Harvard Business Manager gehört, ist am 13. März ins Mobile Office gewechselt. Was anfangs unmöglich erschien, ist gelungen (und zwar viel problemloser als viele glaubten). Die Magazine wurden in Küchen, Wohn- und privaten Arbeitszimmern erstellt.

Mein Team kommuniziert so viel über Chat und Internet-Telefon wie nie zuvor. Mein anfänglicher Fehler: Ich bin fast immer rangegangen, wenn jemand über Microsoft Teams anrief. Ich reagierte prompt auf alle möglichen Chat-Anfragen. Es fühlte sich an, als würde ich versuchen in einem Fußballstadion zu arbeiten - während der Fanblock neben mir singt und leere Pappbecher Richtung Spielfeld wirft.

Klingeltöne, Pop-up-Banner, Push-Nachrichten - all diese Reize sind nur dafür entwickelt worden, uns zu erinnern und reinzuziehen in ein Programm oder auf eine Plattform. Das ist in seltenen Fällen hilfreich, zum Beispiel bei einer ganz wichtigen Email.

In 80 bis 90 Prozent aller Fälle aber lassen wir uns von unserer eigentlichen Aufgabe ablenken und tun etwas, was jemand anderes selbst gerade abarbeiten wollte oder für dringlich erachtet. "Kannst du nur mal kurz?" oder "Hast du eine Minute?" Wie oft hören Sie diese Sätze? Und wie oft denken Sie, das mache ich schnell - weil Sie zum Beispiel freundlich sein wollen oder das To-do rasch abhaken wollen?

Eine Studie aus Kalifornien zeigt, wie lange Sie brauchen, bis Sie nach einer Unterbrechung wieder voll in Ihrem ursprünglichen Thema drin sind: Es sind zwanzig Minuten. Die schnelle Minute, die jemand anderes von Ihnen einfordert, dauert also in Wahrheit zwanzig Minuten und senkt Ihre Produktivität deutlich.

Ich habe mein Internettelefon nun auf lautlos gestellt und fast alle Notifications abgeschaltet, die mich an eingegangene Chat-Nachrichten erinnern. Ich beantworte zweimal täglich E-Mails und circa alle 1,5 Stunden Chatnachrichten. Während ich arbeite, schließe ich die Programme. Das hat meine Konzentration, Produktivität und vor allem mein Stresslevel wirklich entscheidend verbessert. Es waren nur ein paar Klicks, aber sie haben mir sofort Freiraum verschafft.

Wo arbeiten Sie in Zeiten der Corona-Pandemie? Und was macht Ihren Job gerade herausfordernd?

Herzliche Grüße, Antonia Götsch

Sie wollen den Newsletter ab jetzt jede Woche lesen? Dann melden Sie sich hier an:
 
Newsletter "Lead Forward"
Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte von HBM-Chefredakteurin Antonia Götsch.
Artikel
© Harvard Business Manager 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Die neuesten Blogs
Nach oben